Corporate Blog Debatte – Reaktionen und Fazit

‚Corporate Blogs‘ stoßen offensichtlich auf großes Interesse.

Zu meinem Artikel – ‚Warum Corporate Blogs scheitern‘ – habe ich viel Feedback erhalten – und diesmal nicht nur per Mail 🙂 – sondern sogar via Twitter von Klaus Eck 🙂 – Vielen Dank an Alle!

Für mich ist die Bezeichnung ‚Corporate Blog‘ zwar nach wie vor eine Worthülse, die genaue Definition bleibt unklar bzw. vage.

Aber halten wir zunächst fest: ‚Corporate Blogs‘ scheitern nicht!

Der mit viel Herzblut verfasste Kommentar von Uwe Knaus vom Daimler Blog verdient es, hier in voller Länge zu erscheinen (mit Einwilligung von Uwe Knaus; danke dafür!):

Das Corporate Blog ist tot, es lebe das “menschliche” Blog!
„Blogger schreiben nur über das Bloggen) – und neuerdings auch über das Twittern“ aktuell über frienfeed, immer wieder über das Verhältnis Blogs vs. Journalismus und andauernd wird darüber gebloggt, was alles schief läuft in dieser Republik.
Was ist eigentlich ein Corporate Blog? Ist es ein Blog, welches von einem Unternehmen betrieben wird? Wer bloggt bei einem Corporate Blog? Der CEO, der CIO, die Marketingabteilung, bezahlte Blogger, die Mitarbeiter, bei Opel die Test-Ingenieure.
Nehmen wir mal das Daimler-Blog. Da kenne ich mich ein wenig aus: Hier bloggen die Mitarbeiter. Und nur diejenigen, die Lust dazu haben. Sie bloggen genau so, wie Blogs ursprünglich begonnen haben: nämlich als eine Art Tagebuch. Da schreibe ich in der Regel rein, was mich an einem bestimmten Tag beschäftigte, oder was mich bewegte. Möglicherweise unspektakulär und nur für eine kleine Zielgruppe interessant. Ein Tagebuch eben.
Aber es wird gelesen. Am ersten Tag mindestens 1.000 Mal, teilweise 3.000 Mal. Im Long Tail kommen die Tagebucheinträge nach einem halben Jahr alle auf 5.000, manche auch auf über 10.000 Lesezugriffe (die Bots herausgerechnet). Vorher kannte die Geschichte nur der Partner oder auch der immer gern genommene „Sportskamerad“. Insofern stellt der einzelne Post doch ein Erfolg dar, oder? Auch wenn aus Sicht der „klassischen“ Blogger, nichts Aufregendes dabei ist.
Steve Rubel hat auf der next08 einen sehr interessanten Vortrag über„10 trends that will shape your digital future“ gehalten und festgestellt, dass die Massenreichweite 2004 gestorben ist. Er sprach von einer neuen „Micro Audience“, die es anzusprechen gilt. Ich glaube, genau da liegt das Potenzial von Corporate Blogs, diese Zielgruppe anzusprechen und mit ihnen zu kommunizieren. Und diese Zielgruppe besteht in der Regel nicht aus Bloggern, sonder aus ganz „normalen“ Menschen, die teilweise bis dato noch gar nicht mit Blogs in Berührung kamen. Genau diese Gruppe stellt beim Daimler-Blog die Mehrzahl der Leser und Kommentatoren dar.
Jedes Blog zieht seine spezifische Leserschaft an. Don Alphonso hat sicherlich andere Leser als Klaus Eck und die Leserschaft des Frosta-Blogs bildet vermutlich auch keine Schnittmenge mit der des Daimler-Blogs. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie betreiben ein Weblog und sprechen ihre Zielgruppe in der Form an, die sie für angemessen halten.
Insofern würde ich die Corporate Blogs nicht für tot erklären und ihnen erst einmal eine Chance geben, sich zu etablieren. Der Erfolg wird vermutlich davon abhängig sein, wie viel „Corporate“ und wie viel „Mensch“ darin enthalten sein wird.

Die Quintessenz der Diskussion formuliert Christian im Kommentar so:

“es gibt DAS Corporate Blog nicht. Und nachdem es auch nicht DAS Unternehmen gibt, ist das auch gut so.”

Fazit: ‚Corporate Blogs scheitern nicht‘ und ‚DAS Corporate Blog gibt es nicht‘!

Quasi zur Weiterführung der Diskussion stellt Wolfgang Lünenbürger von PR 2.0 die Frage:

„Was ist eigentlich ein Corporate Blog?“

Ich bin überzeugt, die Diskussion um ‚Corporate Blogs‘ bleibt auch weiterhin spannend 🙂

Rainer Helmes

Warum Corporate Blogs scheitern.

Was passiert, wenn Unternehmen und Blogger aufeinandertreffen?

Kann das gut gehen?

Ja! Aber! … wir müssen akzeptieren, dass „Welten aufeinanderprallen“ 🙂 … und beide Seiten müssen Toleranz üben 🙂

Fakt ist, viele Leser werden durch Sprache und Inhalt der Blogs abgeschreckt. Und dennoch … Blogs müssen sich von „geschliffenen“ Pressemitteilungen unterscheiden, sonst wären es keine Blogs 😉

Es gibt Vorbehalte und Vorurteile auf beiden Seiten – berechtigte und unberechtigte! Diese Diskussion an der Blogbar macht das sehr gut deutlich.

Ein oft gehörter Vorwurf: Blogger beschäftigen sich nur mit sich selbst.

Blogger schreiben nur über das Bloggen (so wie ich hier 😉 ))) – und neuerdings auch über das Twittern – Das lockt niemanden hinter dem Ofen hervor – zumindest keine Entscheidungsträger aus der Wirtschaft.

Wie sieht das aus der Sicht mancher Blogger aus?

Die eigentlich angesprochenen Entscheidungsträger aus den Unternehmen und Organisationen reagieren nicht – kein öffentlicher Kommentar, bestenfalls mal eine Mail oder eine Anmerkung hinter vorgehaltener Hand … das erzeugt auch Frust mit der Folge: Blogger bloggen nicht mehr.

Matthias Schwenk:

Die Irrelevanz meines Blogs beim Mittelstand: Was immer ich hier schreibe, es wird bei meiner eigentlichen Zielgruppe nicht wahrgenommen. Und daran dürfte sich auch noch auf längere Sicht nichts ändern. Noch vor einem Jahr war ich der festen Überzeugung, die Zeit sei reif für die Themen “Web 2.0? und “Enterprise 2.0? in deutschen Unternehmen. Heute sehe ich viel stärker die kulturverändernde Wirkung der Digitalisierung und denke, dass es bei uns noch sehr lange dauern wird (10 bis 15 Jahre?), bis wir Verhältnisse wie heute in den USA oder Japan haben werden.

Patrick Breitenbach:

Die Fachpresse hat zwischenzeitlich erkannt, dass sie so Pseudorebellen wie vom Werbeblogger nicht vermarkten können und daher starten sie lieber selbst witzige Werberätsel, Kampagnenverisse, Plagiatsvorwürfe oder tonnenweise Kurzlinks aus der Welt der Werbung. Ob man das jetzt als Hommage sehen sollte, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass dies ein weiterer Moment für mich ist einen Schritt Abstand zu nehmen, wieder etwas neues zu suchen.

Elita Wiegand:

Das Ergebnis der „Blogmüde-Umfrage“ hat mich überrascht: Wenn zwölf Teilnehmer dafür plädieren, dass wir einfach warten, erinnert das doch sehr an die Kohl-Ära. Aussitzen bringt nun gar nichts. Viele haben sich per Mail gemeldet, die sich dafür aussprechen, dass das Blog weiter geführt wird. Mhh… Fehlt der Mut? oder die Zeit? seine Meinung hier zu veröfffentlichen? Bisher habe ich für das Blog unermüdlich gekämpft, weil ich davon überzeugt bin. Und das bisherige Ergebnis ist allen Unkenrufen zum Trotz gut: Viele Beiträge haben zum Nachdenken angeregt, hier wurde Wissen vermittelt, Partner haben sich kritisch auseinandergesetzt oder darüber geschrieben, was ihnen am Herzen liegt.

Und wenn Unternehmen bloggen? Warum werden Corporate Blogs nicht funktionieren?

Es heißt so schön, der Ton mache die Musik. Und dieser Ton ist selten kompatibel 😉 … es geht um Sprache, Stil und Form.

Und auch um die Frage: wie kommentiere ich in den Blogs der Unternehmen?

Kein Unternehmen wird sich über einen Kommentar freuen wie „dein produkt xyz ist aber sowas von sch…“. Was tun mit einem solchen Kommentar? Löschen? Sich auf eine sinnlose Diskussion einlassen, die das Unternehmen nur verlieren kann? Gar die rechtliche Keule schwingen? … Richtig machen, das geht nicht!

Es gibt Barrieren und Berührungsängste, die eine offene Diskussion zumindest erschweren …

… und Blogs leben von Kommentaren! Sie leben vom Dialog! Ohne Kommentare nimmt das Interesse der Autoren früher oder später ab. Wir alle brauchen Feedback 🙂

Ein Blog-Artikel muss persönlich, subjektiv, parteiisch und unabhängig sein! Ein von der PR-Abteilung weichgespülter Beitrag ist für Blog-Leser uninteressant!

Ein Beitrag spiegelt immer die Meinung des Verfassers wider. Aber wie weit kann, darf und will sich ein Mitarbeiter mit seiner Meinung aus dem Fenster lehnen? Meistens stehen Richtlinien – u.a. die sog. Corporate Identity – einer freien Entfaltung des Bloggers entgegen; man merkt das dann den Beiträgen an 😉

Ein Blog steht und fällt immer mit dem Autor bzw. den Autoren!

Unternehmen, die die sog. „Kommunikation 2.0“ leben wollen, sollten ihren Mitarbeitern unabhängige Blogs ermöglichen. Die Kompetenz und Verantwortung muss dabei voll und ganz beim Blogger liegen; dass dieser nichts schreibt, was er nicht auch auf jedem Marktplatz öffentlich hinausschreien könnte, sollte selbstverständlich sein; andernfalls drohen Abmahnung und Kündigung – und das dann zu Recht!

Von Fall zu Fall kann in einem nächsten Schritt untersucht werden, ob und wie das Mitarbeiter-Blog in den Firmenauftritt integriert werden kann.

Es gibt viele gute Beispiele, die zeigen, dass Blogs von Mitarbeitern die Reputation des Unternehmens positiv beeinflussen können. Nehmen Sie z.B. auch den Blog-Ansatz von Jonathan Schwartz.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern die nötigen Freiräume – aber auch nur denen, die ernsthaft und aus freien Stücken bloggen wollen!

Das, was ich hier bezogen auf Wirtschaftsunternehmen geschrieben habe, lässt sich auch 1:1 auf Verlage übertragen.

Z.B. für das Handelsblatt: Einem Gemeinschaftsblog, für das Beiträge erst nach einer Redaktionssitzung freigegeben werden, räume ich wenig Chancen ein, während das Blog von Thomas Knüwer zu Recht in den Top100 gelistet ist – aktuell auf Platz 12!

Und hier bloggt der Chef auch selbst 🙂

Das Corporate Blog ist tot, es lebe das „menschliche“ Blog! 🙂

Rainer Helmes

Nachtrag am 4.Juni 2008:

Eine Diskussion über Blogs, Blogger, Corporate Blogs, Corporate Blogger usw. usf. ist schwierig, weil diese Begriffe zwar besetzt aber nicht für jedermann klar und eindeutig definiert sind und jeder etwas anderes darunter verstehen will 🙂 Hierzu passt auch die Diskussion beim Werbeblogger zu der Frage „Ist das Modell ‚Blog‘ gescheitert?„.

Ich werde mich jedenfalls noch weiter mit ‚Weblogs im Unternehmensumfeld‘ beschäftigen 🙂 wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung …

Frühjahrsputz

Das PM-Blog im neuen Design

Heute Vormittag habe ich noch Überlegungen bzgl. einem „Frühjahrsputz“ angestellt – und ja – nach gut zwei Jahren „ins Internet schreiben“ (Herr ix) ist es an der Zeit, ein persönliches Fazit zu ziehen.

Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: ich blogge weiter.

Und: ein neuer Anstrich für das PM-Blog muss her 🙂 Hier bin ich fündig geworden. Weitere Infos zu dem Template gibt es hier: http://www.plaintxt.org/themes/sandbox/

Zu dem großen Reinemachen gehört allerdings auch, dass ich meine Internet-Aktivitäten bündeln werde – doch dazu später mehr …

Die Fragen „was bringt das Schreiben ins Internet eigentlich?, und wem nützt es?“ stehen immer im Raum … in weiteren Artikeln hier in diesem Blog beschreibe ich meine Erfahrungen 🙂 – Sie sind – wie immer – eingeladen, mit mir zu diskutieren!

Rainer Helmes