Am Pranger: Nur Missverständnisse und Irritationen?

Danke Christian Henner-Fehr für die Steilvorlage! 🙂 :

Am Pranger – Jens Jessen beschreibt das Internet:

In der schrankenlosen Öffentlichkeit des Netzes stoßen Milieus aufeinander, die sich sonst nie begegnen würden. Hassexplosionen und Gewaltfantasien sind die Folge

Ja, der Artikel überzeichnet, gelinde gesagt. Das stelle ich nicht in Abrede.

Allerdings steckt auch ein Fünkchen Wahrheit darin. Nehmen wir nur den Punkt „Ironie wird missverstanden“:

Schon in Gruppentrainings mit 4-5 Leuten merke ich, dass viele Aussagen (=Botschaften) von den Teilnehmern unterschiedlich interpretiert werden; ja ganz unterschiedlich auf die TN wirken.

Im persönlichen Gespräch habe ich den Rückkanal der Körpersprache; ich merke wie meine Botschaft ankommt und kann evtl. gegensteuern; ich kann deeskalieren oder auch bewusst eskalieren (sehr gefährlich!).

Selbst bei einem Telefongespräch kann ich noch aus der Stimme und der Wortwahl meines Gesprächspartners Rückschlüsse ziehen.

Bei E-Mails – oder wenn ich via Twitter kommuniziere – fehlt dieser extrem wichtige Rückkanal. (Ein Grund dafür, dass ich sehr gerne und sehr oft die sog. Emoticons einsetze.) Ich habe selbst einige negative Erfahrungen gemacht: oft mussten wir bei Berater-Treffen Irritationen ausdiskutieren, die durch den zuvor missverständlichen E-Mail-Verkehr ausgelöst wurden! War nicht immer schön; aber gut, dass es diese Möglichkeit gab!

Jetzt – mit dem Internet – wird alles noch schlimmer ; wir schreiben unsere Botschaft ins Netz – bei Twitter sogar auf 140 Zeichen komprimiert, und wir wissen weder wer diese Botschaft empfängt noch was diese Botschaft beim Empfänger auslöst.

Missverständnisse sind vorprogrammiert! Und Jens Jessen hat Recht, wenn er schreibt, dass uns, d.h. der Gesellschaft, das nötige Wissen – sprich: der angeborene oder erlernte Instinkt – fehlt, mit dieser Art der Kommunikation richtig umzugehen.

Auch in den Zeiten des Internet – und gerade jetzt – gilt für mich mehr denn je: das persönliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen!

Und bei jedem Projektstart – neudeutsch: kick off meeting 🙂 – müssen sich alle Beteiligten persönlich kennenlernen (egal wie weit die Wege auch sind)! Erst später dann können alle Hilfsmittel der Kommunikation eingesetzt werden.

Mit Hilfe des Johari-Fensters lässt sich sehr schön das Spannungsfeld der Kommunikation erklären: Offenheit vs. Feedback und Fassade vs. die veröffentlichte Person.

Rainer Helmes

Mehrwert mit Links

Mehrwehrt mit Links“ 🙂 – heute:

Rainer Helmes

Facebook, LinkedIn, Xing, Twitter und Co – Netzwerke und Dienste für Profis?

Die Gründe, sich für Netzwerke oder Dienste wie Facebook, LinkedIn, Xing, Twitter oder ähnliche zu entscheiden, sind sicher so zahlreich, wie die Anzahl der Mitglieder, die diese nutzen 🙂 – ich nutze Xing (ehem. openBC) seit 2006; eigentlich nutze ich das Netzwerk noch nicht wirklich richtig 😉

Aber was heißt „richtig“? Wozu diese web-zwei-nullige Kommunikation? Und Profis?, die haben für solche „Spielereien“ keine Zeit, oder doch?

Ganz einfach:

Small Talk ist wichtig! Im Internet wie im realen Leben. Vertrieb’ler können ein Lied davon singen, wie viele Geschäftsessen im Vorfeld eines – eventuellen – Abschlusses notwendig sind … und immer wieder Small Talk 🙂

Und genau hier greift der soziale Gedanke der Netzwerke:

Es ist die Kombination aus Ihrem Profil mit Ihren Kompetenzen und dem Small Talk entweder über persönliche Nachrichten oder in Gruppendiskussionen, d.h. Sie stellen sich vor und die anderen lernen Sie kennen.

Es hat lange gedauert, aber heute sind LinkedIn und Xing m.E. im Lager der Profis etabliert und auch akzeptiert. Facebook weiß ich noch nicht richtig einzuordnen; da arbeite ich noch dran 😉 ( Und dann sind da noch die Probleme mit der Werbung bei Facebook … ) O.K., und nach Twitter darf ich heute auch noch niemanden außerhalb der Blogosphäre fragen 😉

Bzgl. Twitter bin ich selbst sehr ambivalent! Ist Twitter das bessere soziale Netzwerk? Twitter ist Small Talk 2.0 pur!

Bei Twitter gehen die Meinungen auch innerhalb der Blogosphäre extrem auseinander. Ich kann noch nicht genau erklären warum, aber ich sehe großes Potenzial in diesem Dienst.

Die m.E. beste Definition habe ich bei Thomas Knüwer gefunden:

Twitter ist nichts, als alltägliche Kommunikation. Es ist der kurze Zuruf im Vorbeigehen im Büroflur, das Treffen mit dem Nachbarn, wenn man gerade die Haustür aufschließt, die kleine Plänkelei mit dem Starbucks-Barrista. Es ist Kommunikation auf niedrigem Niveau – und doch eine Kommunikation die essentiell ist für unser Zusammenleben. Thomas Knüwer

Oder anders formuliert beim Werbeblogger: @Kaiser: Warum twitter ich eigentlich? Ich sags dir nur einmal!

Was passiert, wenn Twitter Mainstream wird? Darauf bin ich auch gespannt! Die Überlegungen von Djure Meinen kann ich sehr gut nachvollziehen:

Doch jetzt da Twitter – angeblich – Mainstream wird, verliert das ganze langsam seinen Reiz. Immer häufiger poppen Follower rein, die ganz offensichtlich keinerlei Interesse an mir, sondern nur an noch einer Leiche auf der Liste ihrer Follower haben. Djure Meinen

Und Don Alphonso sieht das Twitter-Ende 2009 gekommen. Ein wirklich lesenswerter Ausblick an der Blogbar 🙂

Wird sich das „Modell-Twitter“ als Kommunikationskanal durchsetzen? Das ist für mich heute die spannendste Frage!

Rainer Helmes