Kommunikation und Privatsphäre

[18.04.2008: Dieses ist ein Experiment. Ich stelle einen „alten“ Artikel – am 07.06.2006 an anderer Stelle veröffentlicht – hier neu ein … (Edit:  Versuch gelungen – Einordnung des Artikels ist an der richtigen Stelle 🙂 – Anmerkung: die Kommentare habe ich nicht übernommen)

Ursprünglicher Titel: Kommunikation mit offenem Visier]

Wieviel Offenheit im WWW kann / darf / muss ich mir leisten? Diese Frage wird auch gerade wieder bei Martin Röll sehr kontrovers diskutiert:

„Die meisten Privacy-Ängste sind unbegründet“, oder doch nicht?, die Diskussion ist spannend.

Nun sieht sich Djure Meinen Im Fadenkreuz. Unbekannte sehen sein Profil bei openBC ein, verweigern aber gleichzeitig die Kontaktaufnahme via interner Mail. Er fordert nun, dass seine „Kommunikationspartner“ dieselbe Offenheit an den Tag legen:

Und wenn dieser Jemand mir nun die Chance geben würde, dass ich meinerseits etwas über ihn in Erfahrung bringen könnte. Geht aber nicht. Denn dieser Jemand hat den Einblick in sein Profil weitegehend gesperrt. Und – und das ist wirklich ärgerlich – das Empfangen von Mails via openbc verweigert er auch. [..]

Es gibt ein paar Zeitgenossen, die ihr Profil so einstellen, dass es nur ihnen selbst nützt. Wollen wir die wirklich unter uns?

Kommunikation ist keine Einbahnstraße! Kommunikation ist Dialog, d.h. ich gebe etwas von mir preis und erwarte eine Antwort, das sog. Feedback.

Den Zusammenhang zwischen Offenheit und Feedback verdeutlicht das Johari-Fenster sehr anschaulich:

johari

Ursprünglich entwickelt um bewusste und unbewusste Verhaltensmuster darzustellen, lässt sich das Johari-Fenster auch sehr gut zur Beschreibung der „veröffentlichen Person“ im WWW verwenden.

Arena – das gemeinsame Potenzial:

Das ist meine öffentliche Person. Informationen, die für jeden frei zugänglich sind. Informationen – von mir eingestellt, oder von anderen über mich veröffentlicht.

Blinder Fleck – das bin ich doch nicht, oder doch?:

Wie sehen mich die anderen? Welche Gewohnheiten – und auch Vorurteile – sind mir so „in Fleisch und Blut“ übergegangen, dass ich diese selbst nicht mehr wahrnehme?

Übertragen auf dass WWW heißt das, wie werden Äußerungen von mir – bzw. über mich – interpretiert. Welche Informationen findet Google, die mir nicht (mehr) bekannt sind?

Fassade: mein großes Geheimnis:

Der Schutz der Privatsphäre ist ein hohes Gut! Nicht umsonst gibt es Datenschutzbestimmungen. Jeder muss selbst entscheiden können, welche privaten Informationen er veröffentlicht sehen will und welche nicht. Wichtig ist m.E. dabei immer, dass berufliche und private Aspekte sauber getrennt werden. Siehe auch: Privacy – what’s that?

Via Internet bzw. speziell auch openBC – können und sollen neue Kontakte geknüpft werden. Private Informationen können dann aber via Mail oder PN (in openBC) ausgetauscht werden.

Nicht Bewusstes – das verschenkte Potenzial, das keiner kennt:

In diesem Bereich „verstecken“ sich unerkannte Talente und (noch) nicht entdeckte Begabungen.

Voraussetzung für eine gute Kommunikation ist, den Bereich der Arena zu vergrößern. Das erreiche ich durch Offenheit, d.h. ich entferne Teile meiner Maske. Feedback hilft mir zu erkennen, wie ich von anderen gesehen werde.

Jeder, der im WWW unterwegs ist, hinterlässt Spuren. Seien Sie sich bewusst, dass auch viele „anonyme“ Äußerungen zurückverfolgt werden können. Lesen Sie auch: Weblog-Monitoring mit offenem Visier?

Mein Tipp: Veröffentlichen Sie alles das – und nur das, was Sie jederzeit und in dieser Form auch jedem fremden Menschen erzählen würden, den Sie zufällig in der U-Bahn treffen. Nutzen Sie die angebotenen Plattformen im WWW – seien es die verschiedenen Weblogs oder auch Angebote wie openBC – für einen direkten Dialog mit „offenem Visier“, d.h. schreiben Sie unter Ihrem guten Namen.

Update

Rechnen Sie auch immer damit, dass Ihre Kommentare, die Sie in öffentlichen Foren hinterlassen, auf anderen Web-Seiten zitiert werden!!! Siehe hierzu z.B. bei Blogging Tom: Zitieren aus öffentlichen Foren.

Wozu ein Corporate Blog?

Erinnern Sie sich noch an folgenden Dialog aus dem Werbespot einer bekannten IT-Firma?:

A: Hier steht, wir müssen ins Internet!
B: Warum?
A: Das steht hier nicht!?!

Ob das wohl übertragbar ist …? Lesen Sie mehr bei MiFoMM: Kommunizieren, Aber Wie?

„Wohin soll ich von hier aus gehen?“
„Das hängt in beträchtlichem Maße davon ab, wo du ankommen willst.“.
Lewis Carroll in Alice im Wunderland

Weblog Kommunikation

Die Diskussion zu „Unternehmerisches Denken“, die sich gerade beim JobBlog und beim Excellence Blog entwickelt, finde ich spannend.

Marcel Widmer – JobBlog – schreibt:

Einfach fantastisch, wie sich in Weblogs über weite Distanzen interessante und erhellende „Diskussionen“ entwickeln können!

… dem habe ich nichts hinzuzufügen 🙂

Gerade Berater nutzen diese Möglichkeiten noch viel zu wenig. Hier verschenken wir noch sehr viel an wertvollem Potenzial.

Dennoch wage ich heute schon die Prognose, dass Weblogs als Mittel der Unternehmenskommunikation mittelfristig noch wichtiger und unverzichtbarer werden, als es die E-Mail heute schon ist.

Auf Ihre Kommentare zu dieser – gewagten? – These freue ich mich sehr.

Weblogs und kein Ende

Das JobBlog greift das Thema Weblogs für Unternehmen heute wieder auf.

Die Zahl der Weblogs steigt in letzter Zeit rasant an; ein Ende ist nicht abzusehen. Technorati listet weltweit mehr als 30 Millionen Blogs, und ich frage mich, stehen wir wieder vor einer „Überhitzung“?

Meine Antwort: Nein. Spätestens seit Ende des Internet-Hypes sollte jedem klar sein: das Internet kann die „alten“ Gesetze der Betriebs- und Volkswirtschaft nicht auf den Kopf stellen.

Das Internet ist m.E. nicht mehr – aber auch nicht weniger – als ein weiterer Kommunikationskanal, allerdings einer mit einem sehr großem „Veränderungspotenzial“.

Martin Röll hat es so ausgedrückt:

Die Weblogs verändern das Leben der Leute. Die Leute verhalten sich anders. Das veränderte Verhalten wirkt auf die Unternehmen. Es lohnt sich oft, das genau zu betrachten.

Ich erinnere mich noch gut an Diskussionen Ende der 90er Jahre, als mir Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen sagten, „E-Mail brauchen wir niemals“, na ja!

M.E. stellt sich die Frage heute nicht mehr, ob wir Weblogs gut finden oder nicht; die „kritische Masse“ ist überschritten.

Unternehmen müssen lernen, richtig mit Weblogs umzugehen. Es gibt auch Negativ-Beispiele, die zeigen wie man nicht kommunizieren sollte.

Update: sehr lesenswert ist dieser Artikel beim
PR Blogger: Die Macht der neuen Meinungsmacher

Wie klappt es eigentlich mit

Trackback und Pingback?

(Erstveröffentlicht am 10. März 2006. – Für das PM-Blog unverändert übernommen am 6. Juni 2008)

Die große Stärke der Weblog-Kommunikation liegt m.E. gerade in der automatisierten Vernetzung der Beiträge und der Blogs untereinander.

Doch das scheint nicht immer zu funktionieren!?!

Gute Erfahrungen habe ich gemacht, wenn der von mir zitierte Beitrag in einem WordPress-Blog steht. Nach kurzer Zeit (-i.d.R. 15-25 Minuten-) erscheint ein kurzer Hinweis auf der anderen Seite. Ich muss keine Links in irgendwelche Felder eintragen o.ä.m., einzige Voraussetzung „Versuche jedes verlinkte Weblog vom Beitrag zu benachrichtigen (verlangsamt das Veröffentlichen)“ muss aktiviert sein.

Trackbacks werden manchmal nach weniger als einer Stunde registriert, manchmal aber auch erst nach Tagen oder überhaupt nicht. Außerdem muss ich hier eine i.d.R. unhandliche URL eintragen.

Eine sehr gute Gegenüberstellung von „Trackback vs. Pingback“ hat Jeena Paradies verfasst.

Welche Erfahrungen haben Sie / habt Ihr mit Trackback, Auto-Trackback, Pingback und mit diesbzgl. Spam gemacht?

Update 13. Juni 2006:

Jörg Petermann – der einfach persönliche – greift das Thema noch einmal auf:
Höfliche Trackbacks – ungeschriebene Etikette

(dann will ich doch mal gleich einen „persönlichen“ Trackback setzen – danke Jörg, für die gute Erklärung 🙂 )

Weblog GAU

Gestern habe ich hier sehr positiv über die Kommunikation via Weblogs geschrieben, heute finde ich diesen Beitrag von Prof. Pleil beim PR Blogger .

Zwei Aspekte möchte ich aufgreifen:

„Naked conversations live: Der GHP-Express ist die Art Weblog, vor dem uns alle Blog-Skeptiker gewarnt haben …“

Müssen und dürfen alle (anonymen) Kommentare auf Weblogs veröffentlicht werden?

Hier „schlagen zwei Seelen in meiner Brust“: Ich bin für die freie Meinungsäußerung und gegen jede Form der Zensur, aber die freie Meinungsäußerung darf keine andere Person in ihrer Persönlichkeit verletzen.

Allerdings halte ich es für falsch, den Weblog-Betreiber für die Kommentare auf seiner Seite haftbar zu machen. Er sollte aber verpflichtet werden, Kommentare (nach einer „vertretbaren“ Zeit) unaufgefordert zu löschen, die gegen die „guten Sitten“ verstoßen; nur gibt es hier Definitionsprobleme.

Auch anonym zu kommentieren halte ich für legitim. Ein Kommentar ist nicht deshalb falsch oder schlecht, es gibt viele gute Gründe, eine bestimmte Ansicht nicht vor der ganzen Welt offen zulegen.

„PR-Leute sollten sich als Grenzstellen-Inhaber verstehen und dem Management den Spiegel der Umwelten vorhalten: Was wird draußen erwartet, was erwarten unsere Mitarbeiter? Und das Kommunizieren von der Organisation nach außen ist plötzlich nur noch ein Teil des PR-Jobs. Was für ein Wandel weg vom klassischen Pressesprecher.“

Müssen sich Unternehmen auf das (veränderte) Kommunikations- und Informationsbedürfnis ihrer Mitarbeiter einstellen?

Eine gute Kommunikationskultur ist ein Wert, den man m.E. nicht hoch genug einschätzen kann. Wenn so ein Super-GAU eintritt, dann hat das Management in wesentlichen Punkten versagt.

Das zweite Kommunikations-Axiom von Paul Watzlawick besagt: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt“, d.h. jede zwischenmenschliche Beziehung findet auf einer Verstandesebene (logische Argumentation) und auf einer Gefühlsebene statt.

Das Management ist gefordert, sich frühzeitig ein Bild zu machen, wie es um die Kultur seines Unternehmens bestellt ist. Hierzu kann eine „Kultur- bzw. Organisationsklima-Analyse“ durchgeführt werden.

weiterführende Links:
Hay Group: Kultur-Audit und Klima-Analyse (PDF-Datei)
idw: Nur wenn das Klima stimmt, kann eine Firma profitabel sein

Sind Weblogs Hype?

Mein Fazit vorab: Weblogs sind weder Internet-Hype noch werden sie zukünftig an Bedeutung verlieren.

Im Gegenteil: Weblogs entwickeln sich m.E. zu einem wichtigen und unverzichtbaren Werkzeug der modernen Geschäftswelt; Weblogs haben das Potenzial, die Bedeutung der E-Mail-Kommunikation noch zu übertreffen.

Wie Weblogs aus wissenschaftlicher Sicht abgegrenzt werden können, beschreibt Jan Schmidt in seinem Blog.

Den entscheidenden Punkt aber spricht Martin Röll an: „Die Weblogs verändern das Leben der Leute. Die Leute verhalten sich anders. Das veränderte Verhalten wirkt auf die Unternehmen. Es lohnt sich oft, das genau zu betrachten.“ (aus: Weblogs: Abgrenzung und Hype (Jan Schmidt))

Wir sind heute an einem Punkt angekommen, an dem sich die Frage „bin ich für oder gegen Weblogs?“ so nicht mehr stellt.

Manager müssen sich indes die Frage stellen „wie integriere ich Weblogs in meine (Unternehmens-) Kommunikation?“.

Spätestens seit den „Klowänden im Internet“ wissen wir, welche Folgen eine „verunglückte“ E-Mail haben kann.

Wieviel Offenheit in aller Öffentlichkeit will / kann / darf / muss ich mir leisten, wurde schon hier, hier und hier diskutiert, und die Diskussion gelangte schließlich auch ins Fernsehen. (-nebenbei: zum Thema Offenheit fällt mir das Johari-Fenster ein-)

Mein Appell an Unternehmen und Manager ist, sich ernsthaft mit dem „Phänomen Weblog“ auseinanderzusetzen, denn „Chancen werden oft nicht gesehen, verleugnet, weil es einfacher ist, als sich mit einer relativ neuen, vernetzten Kommunikationslösung wie Blogs auseinanderzusetzen“ (Klaus Eck: Manager buhlen um die Gunst der Leser)

Das wir im Informationszeitalter angekommen sind, bestreitet heute niemand mehr ernsthaft. Neben dem Wissen ist Zeit die Hauptwährung der modernen Geschäftswelt. Als Nachrichtentechniker gesprochen: wir müssen heute sehr zeitnah entscheiden, welcher Anteil einer Nachricht Information und welcher Anteil Rauschen ist, und das ist Fluch und Segen zugleich …

… und Weblogs sind nicht mehr und nicht weniger als ein schnelles Transportmittel für Wissen, oder einfacher ausgedrückt: eine weitere Möglichkeit, unkompliziert und schnell zu kommunizieren.

Diese Diskussion um das „Phänomen Weblog“, die quasi zeitgleich an verschiedenen Orten, von unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft geführt und weiterentwickelt wird, ist nur ein weiterer Beleg dafür.

auch Manager tun es

„Manager bloggen und buhlen um Gunst“, titeln die VDI nachrichten von heute.

Gleichzeitig wird gewarnt: „Tagebücher und andere Online-Journale im Internet sind ein Renner [..] Doch nicht alles, was der Führungskraft durch den Kopf geht, gehört dorthin, sonst kann die Karriere zu Ende sein.“

Warum eigentlich? Ist diese „Vorsicht“ typisch deutsch?

Der Autor zieht das Fazit: „Die Manager-Weblogs sind daher auch nur bedingt aufregend.“

Muss das so sein? Natürlich müssen sich auch und gerade Manager und Führungskräfte an Spielregeln halten, sie haben auch eine Vorbild-Funktion.

„Web-Tagebücher sind ein Minenfeld. Jeder Satz will hier gut überlegt sein [..] Und als ob das noch nicht reicht, haben Firmen wie IBM obendrein spezielle Blogging-Richtlinien aufgestellt.“

M.E. liegen gerade in den „Blogging-Richtlinien“ auch Chancen. Sie dürfen nicht fesseln und knebeln, sondern sie müssen auch kreative Freiräume schaffen.

Der Münchner Kommunikationsberater Klaus Eck kritisiert zu Recht, „Chancen werden oft nicht gesehen, verleugnet, weil es einfacher ist, als sich mit einer relativ neuen, vernetzten Kommunikationslösung wie Blogs auseinanderzusetzen“.

Lesen Sie auch: Manager buhlen um die Gunst der Leser