Wenn Software die Twitter-Timeline kapert

Sorry für die Belästigung!

Weil ich nicht aufgepasst hatte, hat ein „Dienst“ gleich mehrere Tweets und leider auch Direktnachrichten in meinem Namen verschickt, die ich nicht autorisiert hatte.

Solche Dienste versprechen „tausende neue Follower in kürzester Zeit“; ich nenne das „Reichweitengenerierung ohne Sinn und Verstand“.

Tweets wie „das war meine Woche auf Twitter“ – „xyy neue Follower“ – „tollste Reichweite“ u.ä.m. lösen bei mir immer nur ein Kopfschütteln aus; und solch ein Tweet ist auch für mich immer wieder Anlass, neu zu prüfen, ob ich der Person weiter folgen will.

Und wenn ich einer Person folge, brauche ich auch nicht gleich eine Direktnachricht mit Hinweis auf das LinkedIn-Profil … und das bevor überhaupt eine Kommunikation zustande gekommen ist.

Und so etwas ist mir jetzt passiert. Deshalb der Hinweis an mich:

Immer wieder prüfen, welche Apps mit den eigenen Twitter-, Facebook- und Google-Konten verknüpft sind und diese im Zweifel entfernen!

Growth Hacking – Ja, aber …

… ich will das Kind auch nicht mit dem Bade ausschütten, denn ich habe nichts gegen Growth Hacking an sich – ganz im Gegenteil, aber das ist eine andere Spielwiese, und auf dem Gebiet bin ich kein Experte.

Dennoch will auch ich wissen, was auf Twitter geschieht, wer sich für welche Themen interessiert, wer mir folgt,  … und so weiter und so fort.

whounfollowedmeEine erste Orientierung erlaubt WhoUnfollowedMe bereits in der kostenlosen Variante. Screenshot: 14.03.2016.

Konsequenzen

Dieser Vorfall ist für mich wieder Anlass, mich mit der Frage „Wie?“ zu beschäftigen …

Wie kann ich Sozial Media im Allgemeinen und Twitter im Speziellen für mich nutzen?

Mit Interesse habe ich vor einigen Tagen den Artikel Social-Media-Entwicklungsland Deutschland: Niedrigste Nutzungsrate, höchste Alterskluft von Michael Kroker gelesen, besonders die Kommentare sind sehr aufschlussreich; es zeigt sich:

An Social Media scheiden sich die Geister …

… und ja, je länger ich mich mit Twitter beschäftige, um so besser gefällt es mir.

Vorteil und Nachteil zugleich ist, dass es 1001 Nutzungsmöglichkeiten gibt. Enrique Dans:

„It’s not easy to explain the use of a tool that has changed its direction and has seen its context modified drastically over almost a decade, and that now has several different types of user. The Twitter of 2007 and 2008 has little to do with the Twitter of late 2015, and an adolescent is going to have a very different idea of how to use it compared to an adult, a professional, a business or a celebrity. How should we be using those 140 characters and the other tools this network offers?“

Ja, ich mag Twitter  … so lange es nicht zu einem „billigen Werkzeug“ zur Leadgenerierung verkommt.

Social Media im Allgemeinen und Twitter im Speziellen sind Werkzeuge, die es mir auf einfache Art und Weise erlauben, die Entwicklungen meiner Branche im Blick zu behalten und gleichzeitig mit Wettbewerbern, Partnern und Kunden ins Gespräch zu kommen.

Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing

Die Grenzen verschwimmen … oft wird das eine mit dem anderen verwechselt.

Mit Social Media ist beides möglich; die richtige Mischung zu finden, ist nicht einfach.

Natürlich geht es um Aufmerksamkeit, und wer nicht klappert, geht in der Informationsflut unter. Zu meinen, gute Beiträge verbreiten sich von ganz alleine, ist genau so naiv, wie das Warten auf einen Sechser im Lotto.

Es ist eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung für seine virale Verbreitung, dass der Beitrag aus Sicht der Leser gut ist.

Wie gesagt, ich bin kein Fachmann für Marketing, und da auch hier – wie so oft – Halbwissen schlimmer ist, als kein Wissen, verweise ich bei  diesbzgl. Fragen auf die ausgewiesenen Experten. Darüber hinaus empfehle ich, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und den gesunden Meschenverstand einzusetzen …

Rainer Helmes

Veröffentlichen und Kommentieren – wie und wo soll ich mich engagieren?

Stefan Pfeiffer, @stefan63atibm, greift eine auf Twitter begonnene Diskussion auf, die ich sehr gerne hier fortführe. Es geht um das Zerfledder-Phänomen im Social Web.

Dass wir heute mit einfachen Mitteln publizieren und immer und fast überall unsere Meinung einfließen lassen können, ist eine große Errungenschaft der Internet-Ära.

Veröffentlichen und Kommentieren – wie und wo soll ich mich engagieren? weiterlesen

Social Media – so normal wie das Telefon !?!

Für die Benutzung des Telefons setzt niemand eine eigene Abteilung ein. Genau so muss es sein für Social Media: Das ist einfach ein Bestandteil der täglichen Arbeit.

So wird Richard Binhammer, Leiter Public Affairs bei Dell, von Marcel Bernet zitiert.

Und so sollte es auch sein! aber ist es so? hmm … auch ich habe das Zitat sofort aufgegriffen und o.g. Artikel verlinkt.

twitter-rainerhelmes

Via Twitter macht das Zitat dann auch schnell die Runde und wird auch hier ‚verarbeitet‘.

[ Ergänzung 19.01.2010: Ein Tweet und seine Folgen: Social Media und Telefon: Der Vergleich hinkt. … und weiter bei friendfeed. ]

Frank Hamm macht mich dann hier und hier auf diesen lesenswerten Artikel von Mirko Lange aufmerksam: Social Media gehört zur (PR-)Grundversorgung eines Unternehmens. Wie Telefon und E-Mail.

Ich sage ja immer, „Social Media‘ ist dann in der Realität angekommen, wenn wir ‚es‘ so normal benutzen wie das Telefon, ohne groß darüber nachzudenken.

Mirko Lange analysiert und beschreibt die ‚Social-Media-Implementierung‘ aus der Sicht eines PR-Experten und Beraters. Deshalb finde ich seinen „pragmatistischen Ansatz“ umso beachtenswerter:

„Ich schreibe auch grade an meinem nächsten Blogbeitrag, der eigentlich ein Plädoyer GEGEN strategische Social Media ist. Oder sagen wir es anders: “strategisch” auf einem anderen Niveau. “Social Media” wirklich zu “implementieren” ist eine Herkulesaufgabe, die irrsinnig viel Ressourcen kostet. Und Energie. Aber es gibt andere Wege. Man kann es auch “einfach mal anfangen”. Nicht völlig wild, aber auf einem pragmatischen Niveau. Und es sich dann entwickeln lassen. Menschen langsam, heranführen. Deren Engagement gewinnen.“ Mirko Lange

Wir sind auf einem guten Weg …

🙂 Rainer Helmes

Online Identitäten – Wer bin ich?

Jeden Tag stoße ich auf eine neue „Community-Seite“, auf der ich mich der Netzgemeinde vorstellen soll.

Online-Reputations-Management nennt man das wohl. Der PR-Blogger empfiehlt, „möglichst viele Profile im Netz anzulegen“:

Je früher Sie dran sind, desto besser für Sie, denn sollten Sie Müller, Meyer oder Schmidt heißen, könnte es schon zu spät sein. Wenn Ihre Namensvetter ebenfalls über Web 2.0-Know-how verfügen, haben Sie vielleicht im digitalen Darwinismus schon verloren. Klaus Eck

Ein Google-Profil ist schnell eingerichtet …

GoogleProfil

… und schon können Sie sich auch direkt mit Google-Friend-Connect vernetzen:

… oder darf es auch die myOn-ID-Visitenkarte sein?

MyOnID

[Bideo nicht mehr verfügbar]

… oder ClaimID? …

ClaimID

… oder Yiid? …

YiidProfil

… oder DandyID? …

DandyID

… es gibt noch viele viele mehr.

Ok! … aber ein Profil sollte ausreichen, oder? Nur welchen Dienst nehmen?

Alle diese Dienste versprechen uns auch eine eigene OpenID, mit der wir uns dann wieder bei hunderten anderer Dienste anmelden können. Unsere persönlichen Daten und unsere Kontakte nehmen wir mit (so ist zumindest die Theorie).

PublicProfiles

Man kann natürlich auch der Netzgemeinde mitteilen, wo man überall dabei ist. Die entsprechenden Widgets lassen sich in das eigene Blog integrieren. Nur m.E. bedeutet hier Masse nicht unbedingt Klasse!

Nebenstehender Abriss zeigt die Darstellung meiner öffentlichen Profile, die ich – mal mehr mal weniger – nutze. Sicher habe ich noch den einen oder anderen Dienst vergessen, bei dem ich mich auch noch angemeldet habe … auf alle Fälle sind es zuviele!

Bin ich der einzige der hier langsam aber sicher die Übersicht verliert? … Ich denke, eine Beschränkung ist angebracht.

Aber welche Dienste brauchen wir wirklich? Ja, ich weiß, diese Frage ist so nicht korrekt gestellt … zunächst muss ich wissen, was ich mit diesen Diensten bezwecke!

Es geht um das Vernetzen – deshalb die wichtigste Frage: wo stecken unsere Freunde, Partner, Kunden, Kollegen, …?

Ja und es geht natürlich auch um die Frage, wie die eine oder andere Anwendung im produktiven Einsatz von Unternehmen bzw. Organisationen genutzt werden kann.

Was die Anzahl der genutzten Dienste angeht, tendiere ich mehr zu dem Ansatz weniger ist mehr.

Aber es gibt auch Hilfe für den, der nichts verpassen will: KnowEm meldet Interessenten gegen eine Gebühr von $64,95 bei 120 populären Social-Media-Sites an; und wer monatlich $9,95 zahlt, wird dann automatisch bei jeder neuen Social-Media-Site angemeldet.

knowem

Bin ich der einzige, der hierzu – etwas ketzerisch – fragt: Was soll das? Wer braucht das? Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare 🙂

Egal wie oder wo – ich wünsche uns allen ein erfolgreiches Netzwerken.

🙂 Rainer Helmes

Virtuelle Freunde

Twitter ist mehr ein Tool, um sich mit denen auszutauschen, die ich schon vorher kannte. Bei denen, die ich in Twitter kennenlerne, bleibt die gewohnte Distanz wie im RL, wo man sich flüchtig trifft, bisschen Smalltalk führt und sich wieder aus den Augen verliert. Kein Connect. Robert Basic

Ja, so sehe ich das auch. Über das Blog bzw. den regen Austausch in Kommentaren hier und auch auf anderen Blogs habe ich interessante Netzbekanntschaften machen dürfen 🙂

Viele Blogger meine ich bereits gut zu kennen – inwieweit ein Treffen mein Bild bestätigt – oder eben auch nicht – ist für mich auch gar nicht die Frage. Dieser Austausch im virtuellen Raum ist eine wertvolle Bereicherung, und – zugegeben – mir würde etwas fehlen, wenn es diese Möglichkeit morgen nicht mehr gäbe.

Ich freue mich, möglichst viele meiner Netzbekannten auch persönlich kennenzulernen. Aber das ist keine Voraussetzung für eine gute und anregende – virtuelle – Kommunikation!

Im Gegenteil, ich kann mir gut vorstellen, dass manche Bilder, die wir uns von unseren virtuellen Freunden machen, so daneben liegen, dass die Eine oder der Andere nach einem Treffen sehr enttäuscht nach Hause geht …

Im sog. Web 2.0 gibt es viele Möglichkeiten, Bekanntschaften zu schließen. Niemand muss dazu selber Blog-Artikel verfassen. Wichtig ist, dass man selbst offen ist für andere Meinungen und aufrichtiges Interesse an der anderen Person zeigt.

Nur „Kontakte“ in den sog. Business-Netzwerken Xing bzw. LinkedIn zu sammeln oder beliebig viele „Freunde“ bei Facebook hinzuzufügen, reicht da m.E. bei Weitem nicht aus.

Die ‚Twitter-Kommunikation‘ – mit der Beschränkung auf 140 Zeichen – ist in meinen Augen ein netter Small Talk: ich sage ‚Hallo …‘ – das kann zu mehr führen oder auch nicht …

… oder wie Robert schreibt: „Twitter ist mehr ein Tool, um sich mit denen auszutauschen, die ich schon vorher kannte.“

🙂 Rainer Helmes

Mehrwert mit Links

Kurz und knapp – (meine Zeit reicht im Moment leider nicht für mehr):

Mehrwert mit Links“ 🙂 heute:

Spannende und interessante Diskussionen rund um die ‚Relevanz‘ von  Corporate Blogs. Auslöser war Ralf Schwartz mit seiner heftigen Kritik am Daimler Blog.

hier ging es los:
Warum das Daimler Blog (noch) irrelevant ist!

Kommentar von Uwe Knaus:
http://ralfschwartz.typepad.com/mc/2008/09/daimler-blog.html#comment-129628836

Kommentar per Twitter:
http://twitter.com/Signal77/statuses/913847902

weitere Klarstellung von Ralf Schwartz:
Daimler Bashing um Visits zu generieren!

Diskussion bei Matthias Schwenk:
Fehlende Relevanz? Das Daimler-Blog von der mediaclinique seziert

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach zu Relevanz

Viel Spaß bei der Lektüre
🙂 Rainer Helmes

Gespräche im Internet

Schauen Sie sich die diversen Gruppen in den Netzwerken an, lesen Sie Blogs und beteiligen Sie sich an Gesprächen. Und haben Sie keine Angst, etwas Falsches zu schreiben! Es geht fast nie um richtig oder falsch, sondern ganz häufig um Erfahrungen, um das Teilen von Wissen. Christian Henner-Fehr

Danke für den tollen Artikel! Diese ‚Steilvorlage‘ nehme ich sehr gerne auf.

Die von Nina Simon beschriebene Vorgehensweise ist m.E. völlig richtig …

The simplest way is to be a commenter—to follow blogs and sites related to your institution and share your own observations and helpful tips. Nina Simon

und sehr zeitaufwendig!

Auch ich mache die Erfahrung, dass meine Zeit leider nicht reicht, um auf alle interessanten Blogartikel, Tweets, Dents, FriendFeed u.v.a.m. einzugehen und diese richtig zu würdigen. Vom Schreiben eigener Artikel mal ganz abgesehen …

Und dazu kommt, dass sich eine ‚Web 2.0 (Gesprächs-)Kultur‘ gerade erst entwickelt, mit eigenen ‚Spielregeln‘ und ‚Gesetzen‘.

Zu Zeiten der ersten Internet-Präsenzen war es noch recht einfach.
Da war dann ein Sohn bzw. eine Tochter des Inhabers oder eines Mitarbeiters und es hieß schnell mal: „Hey, Du machst doch was mit Internet?! Mach mal eben schnell unsere ‚Hohmpädsch‘ …“

Und wenn damals, so um 1997/98, 100 Besucher vorbeigekommen sind – im Monat wohlgemerkt -, dann war das schon viel!

Was ist seitdem passiert: eine Webseite hat jedes Unternehmen … und!? … eine statische Webseite haut keinen mehr vom Hocker; denn: Märkte sind Gespräche.

Dennoch wird ‚web 2.0′(*) von einem relativ großen Teil der mittelständischen Unternehmen abgelehnt. Warum?

(* kurz zur Definiton: „Das Konzept ‚Web 2.0 / Social Computing‘ bezeichnet keine neue Technologie, sondern eine neue Form der öffentlichen Zusammenarbeit und Interaktion zwischen gleichberechtigten Akteuren über das Internet.“)

Mir fallen zwei ernst zu nehmende Argumente ein:

1. der Zeitfaktor; wer kann die rasante Entwicklung im Bereich ’sozialer Kommunikation‘ noch wirklich nachvollziehen?

2. die Gespräche lassen sich nicht kontrollieren; d.h. auch, dass die begonnenen Gespräche von anderen – fremden – Personen aufgenommen und auf anderen Weblogs bzw. Community-Sites wie u.a. FriendFeed fortgesetzt werden. Es ist nicht einfach, allen Diskussionen zu folgen.

‚Web 2.0‘ bedeutet für uns alle einen großen Lernprozess, d.h. machen, machen, machen, … der Appetit kommt beim Essen!

Und so zum Üben ist es m.E. auch eine gute Idee, eine eigene ‚Übungsplattform‘ aufzubauen. Einfach, um zu erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man ins Internet schreibt … ich habe mit der ‚Ebene 2‘ angefangen und würde es wieder so machen! Egal, ob 5, 50 oder 500 Leser auf die Seite kommen, man erhält Feedback und man schwimmt sich frei. (Feedback muss man natürlich auch anfordern, sprich Bekannte, Freunde, Kollegen um Feedback bitten.)

Ganz nebenbei *kann* ein Weblog eine ideale Plattform sein, sich bzw. sein Unternehmen als Spezialist für … zu präsentieren.

Sehr gut gefällt mir das Beispiel von Frank Hamm, seinen Lebenslauf als Visitenkarte ins Netz zu stellen.

Heißt das jetzt, dass alle ein eigenes Weblog aufsetzen sollen?

Ja und Nein! – typische Antwort eines Beraters 🙂 Das hängt natürlich von der Persönlichkeit und den Zielen ab. 🙂

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Spaß und viele neue Erkenntnisse bei unseren Gesprächen im Internet

🙂 Rainer Helmes

Corporate Blog Debatte – Reaktionen und Fazit

‚Corporate Blogs‘ stoßen offensichtlich auf großes Interesse.

Zu meinem Artikel – ‚Warum Corporate Blogs scheitern‘ – habe ich viel Feedback erhalten – und diesmal nicht nur per Mail 🙂 – sondern sogar via Twitter von Klaus Eck 🙂 – Vielen Dank an Alle!

Für mich ist die Bezeichnung ‚Corporate Blog‘ zwar nach wie vor eine Worthülse, die genaue Definition bleibt unklar bzw. vage.

Aber halten wir zunächst fest: ‚Corporate Blogs‘ scheitern nicht!

Der mit viel Herzblut verfasste Kommentar von Uwe Knaus vom Daimler Blog verdient es, hier in voller Länge zu erscheinen (mit Einwilligung von Uwe Knaus; danke dafür!):

Das Corporate Blog ist tot, es lebe das “menschliche” Blog!
„Blogger schreiben nur über das Bloggen) – und neuerdings auch über das Twittern“ aktuell über frienfeed, immer wieder über das Verhältnis Blogs vs. Journalismus und andauernd wird darüber gebloggt, was alles schief läuft in dieser Republik.
Was ist eigentlich ein Corporate Blog? Ist es ein Blog, welches von einem Unternehmen betrieben wird? Wer bloggt bei einem Corporate Blog? Der CEO, der CIO, die Marketingabteilung, bezahlte Blogger, die Mitarbeiter, bei Opel die Test-Ingenieure.
Nehmen wir mal das Daimler-Blog. Da kenne ich mich ein wenig aus: Hier bloggen die Mitarbeiter. Und nur diejenigen, die Lust dazu haben. Sie bloggen genau so, wie Blogs ursprünglich begonnen haben: nämlich als eine Art Tagebuch. Da schreibe ich in der Regel rein, was mich an einem bestimmten Tag beschäftigte, oder was mich bewegte. Möglicherweise unspektakulär und nur für eine kleine Zielgruppe interessant. Ein Tagebuch eben.
Aber es wird gelesen. Am ersten Tag mindestens 1.000 Mal, teilweise 3.000 Mal. Im Long Tail kommen die Tagebucheinträge nach einem halben Jahr alle auf 5.000, manche auch auf über 10.000 Lesezugriffe (die Bots herausgerechnet). Vorher kannte die Geschichte nur der Partner oder auch der immer gern genommene „Sportskamerad“. Insofern stellt der einzelne Post doch ein Erfolg dar, oder? Auch wenn aus Sicht der „klassischen“ Blogger, nichts Aufregendes dabei ist.
Steve Rubel hat auf der next08 einen sehr interessanten Vortrag über„10 trends that will shape your digital future“ gehalten und festgestellt, dass die Massenreichweite 2004 gestorben ist. Er sprach von einer neuen „Micro Audience“, die es anzusprechen gilt. Ich glaube, genau da liegt das Potenzial von Corporate Blogs, diese Zielgruppe anzusprechen und mit ihnen zu kommunizieren. Und diese Zielgruppe besteht in der Regel nicht aus Bloggern, sonder aus ganz „normalen“ Menschen, die teilweise bis dato noch gar nicht mit Blogs in Berührung kamen. Genau diese Gruppe stellt beim Daimler-Blog die Mehrzahl der Leser und Kommentatoren dar.
Jedes Blog zieht seine spezifische Leserschaft an. Don Alphonso hat sicherlich andere Leser als Klaus Eck und die Leserschaft des Frosta-Blogs bildet vermutlich auch keine Schnittmenge mit der des Daimler-Blogs. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie betreiben ein Weblog und sprechen ihre Zielgruppe in der Form an, die sie für angemessen halten.
Insofern würde ich die Corporate Blogs nicht für tot erklären und ihnen erst einmal eine Chance geben, sich zu etablieren. Der Erfolg wird vermutlich davon abhängig sein, wie viel „Corporate“ und wie viel „Mensch“ darin enthalten sein wird.

Die Quintessenz der Diskussion formuliert Christian im Kommentar so:

“es gibt DAS Corporate Blog nicht. Und nachdem es auch nicht DAS Unternehmen gibt, ist das auch gut so.”

Fazit: ‚Corporate Blogs scheitern nicht‘ und ‚DAS Corporate Blog gibt es nicht‘!

Quasi zur Weiterführung der Diskussion stellt Wolfgang Lünenbürger von PR 2.0 die Frage:

„Was ist eigentlich ein Corporate Blog?“

Ich bin überzeugt, die Diskussion um ‚Corporate Blogs‘ bleibt auch weiterhin spannend 🙂

Rainer Helmes

Warum Corporate Blogs scheitern.

Was passiert, wenn Unternehmen und Blogger aufeinandertreffen?

Kann das gut gehen?

Ja! Aber! … wir müssen akzeptieren, dass „Welten aufeinanderprallen“ 🙂 … und beide Seiten müssen Toleranz üben 🙂

Fakt ist, viele Leser werden durch Sprache und Inhalt der Blogs abgeschreckt. Und dennoch … Blogs müssen sich von „geschliffenen“ Pressemitteilungen unterscheiden, sonst wären es keine Blogs 😉

Es gibt Vorbehalte und Vorurteile auf beiden Seiten – berechtigte und unberechtigte! Diese Diskussion an der Blogbar macht das sehr gut deutlich.

Ein oft gehörter Vorwurf: Blogger beschäftigen sich nur mit sich selbst.

Blogger schreiben nur über das Bloggen (so wie ich hier 😉 ))) – und neuerdings auch über das Twittern – Das lockt niemanden hinter dem Ofen hervor – zumindest keine Entscheidungsträger aus der Wirtschaft.

Wie sieht das aus der Sicht mancher Blogger aus?

Die eigentlich angesprochenen Entscheidungsträger aus den Unternehmen und Organisationen reagieren nicht – kein öffentlicher Kommentar, bestenfalls mal eine Mail oder eine Anmerkung hinter vorgehaltener Hand … das erzeugt auch Frust mit der Folge: Blogger bloggen nicht mehr.

Matthias Schwenk:

Die Irrelevanz meines Blogs beim Mittelstand: Was immer ich hier schreibe, es wird bei meiner eigentlichen Zielgruppe nicht wahrgenommen. Und daran dürfte sich auch noch auf längere Sicht nichts ändern. Noch vor einem Jahr war ich der festen Überzeugung, die Zeit sei reif für die Themen “Web 2.0? und “Enterprise 2.0? in deutschen Unternehmen. Heute sehe ich viel stärker die kulturverändernde Wirkung der Digitalisierung und denke, dass es bei uns noch sehr lange dauern wird (10 bis 15 Jahre?), bis wir Verhältnisse wie heute in den USA oder Japan haben werden.

Patrick Breitenbach:

Die Fachpresse hat zwischenzeitlich erkannt, dass sie so Pseudorebellen wie vom Werbeblogger nicht vermarkten können und daher starten sie lieber selbst witzige Werberätsel, Kampagnenverisse, Plagiatsvorwürfe oder tonnenweise Kurzlinks aus der Welt der Werbung. Ob man das jetzt als Hommage sehen sollte, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass dies ein weiterer Moment für mich ist einen Schritt Abstand zu nehmen, wieder etwas neues zu suchen.

Elita Wiegand:

Das Ergebnis der „Blogmüde-Umfrage“ hat mich überrascht: Wenn zwölf Teilnehmer dafür plädieren, dass wir einfach warten, erinnert das doch sehr an die Kohl-Ära. Aussitzen bringt nun gar nichts. Viele haben sich per Mail gemeldet, die sich dafür aussprechen, dass das Blog weiter geführt wird. Mhh… Fehlt der Mut? oder die Zeit? seine Meinung hier zu veröfffentlichen? Bisher habe ich für das Blog unermüdlich gekämpft, weil ich davon überzeugt bin. Und das bisherige Ergebnis ist allen Unkenrufen zum Trotz gut: Viele Beiträge haben zum Nachdenken angeregt, hier wurde Wissen vermittelt, Partner haben sich kritisch auseinandergesetzt oder darüber geschrieben, was ihnen am Herzen liegt.

Und wenn Unternehmen bloggen? Warum werden Corporate Blogs nicht funktionieren?

Es heißt so schön, der Ton mache die Musik. Und dieser Ton ist selten kompatibel 😉 … es geht um Sprache, Stil und Form.

Und auch um die Frage: wie kommentiere ich in den Blogs der Unternehmen?

Kein Unternehmen wird sich über einen Kommentar freuen wie „dein produkt xyz ist aber sowas von sch…“. Was tun mit einem solchen Kommentar? Löschen? Sich auf eine sinnlose Diskussion einlassen, die das Unternehmen nur verlieren kann? Gar die rechtliche Keule schwingen? … Richtig machen, das geht nicht!

Es gibt Barrieren und Berührungsängste, die eine offene Diskussion zumindest erschweren …

… und Blogs leben von Kommentaren! Sie leben vom Dialog! Ohne Kommentare nimmt das Interesse der Autoren früher oder später ab. Wir alle brauchen Feedback 🙂

Ein Blog-Artikel muss persönlich, subjektiv, parteiisch und unabhängig sein! Ein von der PR-Abteilung weichgespülter Beitrag ist für Blog-Leser uninteressant!

Ein Beitrag spiegelt immer die Meinung des Verfassers wider. Aber wie weit kann, darf und will sich ein Mitarbeiter mit seiner Meinung aus dem Fenster lehnen? Meistens stehen Richtlinien – u.a. die sog. Corporate Identity – einer freien Entfaltung des Bloggers entgegen; man merkt das dann den Beiträgen an 😉

Ein Blog steht und fällt immer mit dem Autor bzw. den Autoren!

Unternehmen, die die sog. „Kommunikation 2.0“ leben wollen, sollten ihren Mitarbeitern unabhängige Blogs ermöglichen. Die Kompetenz und Verantwortung muss dabei voll und ganz beim Blogger liegen; dass dieser nichts schreibt, was er nicht auch auf jedem Marktplatz öffentlich hinausschreien könnte, sollte selbstverständlich sein; andernfalls drohen Abmahnung und Kündigung – und das dann zu Recht!

Von Fall zu Fall kann in einem nächsten Schritt untersucht werden, ob und wie das Mitarbeiter-Blog in den Firmenauftritt integriert werden kann.

Es gibt viele gute Beispiele, die zeigen, dass Blogs von Mitarbeitern die Reputation des Unternehmens positiv beeinflussen können. Nehmen Sie z.B. auch den Blog-Ansatz von Jonathan Schwartz.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern die nötigen Freiräume – aber auch nur denen, die ernsthaft und aus freien Stücken bloggen wollen!

Das, was ich hier bezogen auf Wirtschaftsunternehmen geschrieben habe, lässt sich auch 1:1 auf Verlage übertragen.

Z.B. für das Handelsblatt: Einem Gemeinschaftsblog, für das Beiträge erst nach einer Redaktionssitzung freigegeben werden, räume ich wenig Chancen ein, während das Blog von Thomas Knüwer zu Recht in den Top100 gelistet ist – aktuell auf Platz 12!

Und hier bloggt der Chef auch selbst 🙂

Das Corporate Blog ist tot, es lebe das „menschliche“ Blog! 🙂

Rainer Helmes

Nachtrag am 4.Juni 2008:

Eine Diskussion über Blogs, Blogger, Corporate Blogs, Corporate Blogger usw. usf. ist schwierig, weil diese Begriffe zwar besetzt aber nicht für jedermann klar und eindeutig definiert sind und jeder etwas anderes darunter verstehen will 🙂 Hierzu passt auch die Diskussion beim Werbeblogger zu der Frage „Ist das Modell ‚Blog‘ gescheitert?„.

Ich werde mich jedenfalls noch weiter mit ‚Weblogs im Unternehmensumfeld‘ beschäftigen 🙂 wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung …

Twitter, entweder geliebt oder gehasst

Das Für und Wider beim Werbeblogger.

Dort habe ich gelernt: Steve Rubel liest keine Tweets (keine Chance), schreibt aber ab und zu welche … naja, ein ziemlich einseitiger „Dialog“ 🙂 Immerhin hören ihm aktuell 6661 Follower zu 😉

Und wie ist das mit Loic le Meur und den 6956, denen er aktuell folgt? … ach so, hatten wir ja hier schon 🙂

Aktives Zuhören geht irgendwie anders!?! 🙂

Dennoch gefällt mir dieser lockere, ungezwungene Small Talk. Flurgespräche eben …

Gerade für das Projektmanagement ist Twitter ein interessantes Werkzeug! Alle Teammitglieder sollten vor dem ersten Treffen – dem „Kick-Off-Meeting“ – gezwungen werden zu twittern, das würde m.E. den Teambildungsprozess beschleunigen 🙂

Nebenbei: die Art zu twittern, verrät sehr viel über die eigene Persönlichkeit. Bezogen auf das eigene „Gezwitscher“ muss sich jeder selbst die Frage beantworten, ob das gut oder schlecht ist, was da so an Botschaften bei bekannten oder unbekannten „Verfolgern“ ankommt …

… Twitter spaltet: man liebt es oder man hasst es.

Der beste Grund für Twitter: NUMDE! Ich twittere, also bin ich! 🙂

Rainer Helmes