Die Relevanz der deutschen Blogs

Deutsche Blogs sind absolut irrelevant.

Na klar! Und wo ist das Problem?

Die meisten Blogger sind weder Journalisten noch wollen sie Journalisten werden.

Diese Freiheit nehme ich mir 🙂 – ich verallgemeinere (so denkt m.E. das Gros der Blogger – Widerspruch gerne in den Kommentaren): wir schreiben aus Spaß an der Freude; wir schreiben unsere Meinung, diskutieren, provozieren, … und das ist auch in Ordnung 🙂

Wettstreit ist auch immer wieder gut – der eine braucht die Blogcharts mehr, der andere weniger … Interessiert sich eigentlich außerhalb der Blogosphäre irgendwer für die Relevanz von Blogs?

Relevanz? Blogs? Für wen? Wozu? Blogger können Meinungen transportieren. Ich denke allerdings, dass die Zeit der „großen Sautreiben“ vorbei ist. Zuletzt konnte „Monigate“ die gesamte Blogosphäre mobilisieren.

Aber schon am Fall Niggemeier vs. Callactive zeigt Robert Basic , dass man *die Blogosphäre* nicht mehr als eine homogene Masse ansehen kann.

Je mehr Menschen die Möglichkeiten des Bloggens nutzen, desto eher ist eben dieses „Kleinbloggersdorf“ ein Abbild unserer Gesellschaft. Ich freue mich über diese Entwicklung.

Für mich ist es viel spannender zu sehen, wie sich immer mehr Menschen und auch Unternehmen über das Internet finden, sich austauschen und sich gegenseitig voranbringen …

In diesem Sinne freue ich mich auf viele neue und interessante Netzkontakte 🙂

Es gibt allerdings einen anderen Punkt, der mich mehr umtreibt: Will das Gros der Leser lieber passiv konsumieren oder aktiv diskutieren?

Hierzu freue ich mich auf Meinungen in den Kommentaren und auf Ihre/Eure Mails. Beachtenswert ist die diesbzgl. Diskussion – wieder bei Robert Basic – mit aktuell 111 Kommentaren!

Rainer Helmes

Ein Blog oder doch lieber eine „ganz normale“ Homepage?

Vor gut 10 Monaten habe ich gefragt „Corporate Blogs – uninteressant für kleine und mittelständische Unternehmen?

Damals war für mich klar: Corporate Blogs sind interessant für kleine und mittelständische Unternehmen!

Meine Einschätzung hat sich auch heute nicht geändert! Allerdings nutzen noch sehr wenige Mittelständler diesen Kommunikationskanal – Warum?

Die Angst vor „Verriss“ ist immer latent vorhanden – das kann ich verstehen!, hat aber noch nicht unbedingt was mit den Weblogs zu tun.

Wird dieser Kommunikationskanal „Weblog“ nicht genutzt, wird m.E. die Chance vertan, die Öffentlichkeitsarbeit wirksam zu unterstützen!

Aber ist ein Weblog immer die richtige Lösung?

Matthias Schwenk stellt auf seine Zielgruppe bezogen fest:

Die Irrelevanz meines Blogs beim Mittelstand: Was immer ich hier schreibe, es wird bei meiner eigentlichen Zielgruppe nicht wahrgenommen. Und daran dürfte sich auch noch auf längere Sicht nichts ändern. Noch vor einem Jahr war ich der festen Überzeugung, die Zeit sei reif für die Themen “Web 2.0? und “Enterprise 2.0? in deutschen Unternehmen. Heute sehe ich viel stärker die kulturverändernde Wirkung der Digitalisierung und denke, dass es bei uns noch sehr lange dauern wird (10 bis 15 Jahre?), bis wir Verhältnisse wie heute in den USA oder Japan haben werden. Mattias Schwenk

Kann ich nachvollziehen. Auch für mich stellt sich natürlich die Frage, für wen schreibe ich.

In erster Linie schreibe ich für mich selbst. Das hört sich komisch an – viele können das nicht verstehen – aber es ist so!: beim Schreiben kann ich meine Gedanken am Besten ordnen, und mir selbst einen Überblick und Klarheit verschaffen!

Ich nehme mir das Recht heraus subjektiv und auch ambivalent zu schreiben!

Und genauso freue ich mich auf Feedback – Feedback hilft, die Bodenhaftung zu behalten und Gedanken in eine richtige Richtung weiter zu entwickeln …

Eine statische Homepage erlaubt diese Kommunikation mit Kollegen, Partnern, Kunden u.a.m. nicht. Über dieses Blog und sonstige „Netzaktivitäten“ haben sich interessante Gespräche entwickelt. Diese „Netzgespräche“ will ich nicht mehr missen 🙂

Ich sage aber nicht, dass jetzt jedes Unternehmen bloggen muss; ganz im Gegenteil! Bevor ein Einzelunternehmer oder ein mittelständisches Unternehmen eine Web-Präsenz aufbaut, sollten mindestens die Zielfrage „Was will ich erreichen?“ und die Zielgruppenfrage „Wen will ich erreichen?“ absolut klar sein.

Weitere lesenswerte Artikel zum Thema „Blog-Akquise“:
Basic Thinking Blog: Blog als Akquiseinstrument?
Silkester erzählt: Wie man sonst noch an den Nippeln von Mama Google saugen kann

Rainer Helmes

Jugendsünden vergessen machen

Ich bin Martin Oetting dankbar, dass er die folgende Frage aufwirft:

Bloggerregeln – was tun mit veralteten Beiträgen?

Das Internet vergisst nicht!„, ist eine Drohung, die nicht nur Unternehmern den Angst-Schweiß auf die Stirn treibt.

Richtig ist, dass ein Artikel bereits unmittelbar nach seiner Erstveröffentlichung auf unzähligen Servern zwischengespeichert wird, die zudem noch weltweit verteilt sind. Ein Zurücknehmen, d.h. ein komplettes Löschen, ist technisch nicht mehr möglich; und jede Änderung an dem Artikel bedeutet, dass von nun an verschiedene Versionen im Umlauf sind.

Nun steht eine Jugendsünde im Netz und das Internet vergisst nicht.

Was kann ich tun, wenn ich nach Monaten oder Jahren feststelle, dass ein von mir veröffentlichter Artikel nach heutigem Wissensstand eine Person oder ein Unternehmen falsch darstellt bzw. in ein falsches Licht rückt?

(Anmerk.: Ich betone ausdrücklich, dass der Artikel, den wir uns beispielhaft vorstellen, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung korrekt recherchiert und nach damaligem Wissensstand absolut in Ordnung war!)

Jeder Mensch und jede Organisation hat das Recht, sich zu ändern, zu bessern und Jugendsünden vergessen zu machen

Dem sollten auch wir Blogger Rechnung tragen.

Ich lösche in diesen Fällen alle Artikel bzw. Passagen in meinem Blog, die „vergessene und abgehakte Jugendsünden“ beschreiben. Ggf. setze ich an dieser Stelle (Permalink!) noch den kurzen Hinweis „Aufgrund neuer Erkenntnisse gelöscht!“; oder ich schreibe bzw. verlinke einen neuen Artikel.

Rainer Helmes

Kommunikation und Privatsphäre

[18.04.2008: Dieses ist ein Experiment. Ich stelle einen „alten“ Artikel – am 07.06.2006 an anderer Stelle veröffentlicht – hier neu ein … (Edit:  Versuch gelungen – Einordnung des Artikels ist an der richtigen Stelle 🙂 – Anmerkung: die Kommentare habe ich nicht übernommen)

Ursprünglicher Titel: Kommunikation mit offenem Visier]

Wieviel Offenheit im WWW kann / darf / muss ich mir leisten? Diese Frage wird auch gerade wieder bei Martin Röll sehr kontrovers diskutiert:

„Die meisten Privacy-Ängste sind unbegründet“, oder doch nicht?, die Diskussion ist spannend.

Nun sieht sich Djure Meinen Im Fadenkreuz. Unbekannte sehen sein Profil bei openBC ein, verweigern aber gleichzeitig die Kontaktaufnahme via interner Mail. Er fordert nun, dass seine „Kommunikationspartner“ dieselbe Offenheit an den Tag legen:

Und wenn dieser Jemand mir nun die Chance geben würde, dass ich meinerseits etwas über ihn in Erfahrung bringen könnte. Geht aber nicht. Denn dieser Jemand hat den Einblick in sein Profil weitegehend gesperrt. Und – und das ist wirklich ärgerlich – das Empfangen von Mails via openbc verweigert er auch. [..]

Es gibt ein paar Zeitgenossen, die ihr Profil so einstellen, dass es nur ihnen selbst nützt. Wollen wir die wirklich unter uns?

Kommunikation ist keine Einbahnstraße! Kommunikation ist Dialog, d.h. ich gebe etwas von mir preis und erwarte eine Antwort, das sog. Feedback.

Den Zusammenhang zwischen Offenheit und Feedback verdeutlicht das Johari-Fenster sehr anschaulich:

johari

Ursprünglich entwickelt um bewusste und unbewusste Verhaltensmuster darzustellen, lässt sich das Johari-Fenster auch sehr gut zur Beschreibung der „veröffentlichen Person“ im WWW verwenden.

Arena – das gemeinsame Potenzial:

Das ist meine öffentliche Person. Informationen, die für jeden frei zugänglich sind. Informationen – von mir eingestellt, oder von anderen über mich veröffentlicht.

Blinder Fleck – das bin ich doch nicht, oder doch?:

Wie sehen mich die anderen? Welche Gewohnheiten – und auch Vorurteile – sind mir so „in Fleisch und Blut“ übergegangen, dass ich diese selbst nicht mehr wahrnehme?

Übertragen auf dass WWW heißt das, wie werden Äußerungen von mir – bzw. über mich – interpretiert. Welche Informationen findet Google, die mir nicht (mehr) bekannt sind?

Fassade: mein großes Geheimnis:

Der Schutz der Privatsphäre ist ein hohes Gut! Nicht umsonst gibt es Datenschutzbestimmungen. Jeder muss selbst entscheiden können, welche privaten Informationen er veröffentlicht sehen will und welche nicht. Wichtig ist m.E. dabei immer, dass berufliche und private Aspekte sauber getrennt werden. Siehe auch: Privacy – what’s that?

Via Internet bzw. speziell auch openBC – können und sollen neue Kontakte geknüpft werden. Private Informationen können dann aber via Mail oder PN (in openBC) ausgetauscht werden.

Nicht Bewusstes – das verschenkte Potenzial, das keiner kennt:

In diesem Bereich „verstecken“ sich unerkannte Talente und (noch) nicht entdeckte Begabungen.

Voraussetzung für eine gute Kommunikation ist, den Bereich der Arena zu vergrößern. Das erreiche ich durch Offenheit, d.h. ich entferne Teile meiner Maske. Feedback hilft mir zu erkennen, wie ich von anderen gesehen werde.

Jeder, der im WWW unterwegs ist, hinterlässt Spuren. Seien Sie sich bewusst, dass auch viele „anonyme“ Äußerungen zurückverfolgt werden können. Lesen Sie auch: Weblog-Monitoring mit offenem Visier?

Mein Tipp: Veröffentlichen Sie alles das – und nur das, was Sie jederzeit und in dieser Form auch jedem fremden Menschen erzählen würden, den Sie zufällig in der U-Bahn treffen. Nutzen Sie die angebotenen Plattformen im WWW – seien es die verschiedenen Weblogs oder auch Angebote wie openBC – für einen direkten Dialog mit „offenem Visier“, d.h. schreiben Sie unter Ihrem guten Namen.

Update

Rechnen Sie auch immer damit, dass Ihre Kommentare, die Sie in öffentlichen Foren hinterlassen, auf anderen Web-Seiten zitiert werden!!! Siehe hierzu z.B. bei Blogging Tom: Zitieren aus öffentlichen Foren.

Wie klappt es eigentlich mit

Trackback und Pingback?

(Erstveröffentlicht am 10. März 2006. – Für das PM-Blog unverändert übernommen am 6. Juni 2008)

Die große Stärke der Weblog-Kommunikation liegt m.E. gerade in der automatisierten Vernetzung der Beiträge und der Blogs untereinander.

Doch das scheint nicht immer zu funktionieren!?!

Gute Erfahrungen habe ich gemacht, wenn der von mir zitierte Beitrag in einem WordPress-Blog steht. Nach kurzer Zeit (-i.d.R. 15-25 Minuten-) erscheint ein kurzer Hinweis auf der anderen Seite. Ich muss keine Links in irgendwelche Felder eintragen o.ä.m., einzige Voraussetzung „Versuche jedes verlinkte Weblog vom Beitrag zu benachrichtigen (verlangsamt das Veröffentlichen)“ muss aktiviert sein.

Trackbacks werden manchmal nach weniger als einer Stunde registriert, manchmal aber auch erst nach Tagen oder überhaupt nicht. Außerdem muss ich hier eine i.d.R. unhandliche URL eintragen.

Eine sehr gute Gegenüberstellung von „Trackback vs. Pingback“ hat Jeena Paradies verfasst.

Welche Erfahrungen haben Sie / habt Ihr mit Trackback, Auto-Trackback, Pingback und mit diesbzgl. Spam gemacht?

Update 13. Juni 2006:

Jörg Petermann – der einfach persönliche – greift das Thema noch einmal auf:
Höfliche Trackbacks – ungeschriebene Etikette

(dann will ich doch mal gleich einen „persönlichen“ Trackback setzen – danke Jörg, für die gute Erklärung 🙂 )