Mehr Dialog wagen …

mehr Dialog wagen – noch so ein geflügeltes Wort 🙂 – im Ernst: ich versuche das Unmögliche: ich erkläre Social Media.

Das Internet für mehr Offenheit und mehr Feedback?

Ja, das sehe ich so; ich sehe eine große Chance in dem Mitmachinternet! Als Medium stellt das Internet viele Kanäle für die Kommunikation bereit. Entscheidend ist, es gibt einen Rückkanal – ein direkter Dialog wird möglich; das ist ein Novum, betrachtet man die traditionellen Medien wie Fernsehen, Zeitschriften, Zeitungen u.ä..

Klar, Leserbriefe konnten schon immer geschrieben werden; aber ist das vergleichbar mit einem Kommentar, der den Autor auffordert, direkt Stellung zu beziehen?

Dieser Rückkanal hat Konsequenzen; Konsequenzen, deren ganze Tragweite von vielen offensichtlich noch nicht richtig erkannt worden ist.

Die Rolle der Journalisten ändert sich, sie verlieren ihre Bedeutung als Gatekeeper. Und da ist dann noch die ständige Fehde Journalisten vs. Blogger – wenn es um Qualitätsjournalismus geht.

Mein Credo: wir brauchen viel mehr direkte Kommunikation und weniger Stille Post.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmen gerät wegen ‚diesem Internet‘ unter Anpassungsdruck. Das machen nicht zuletzt Fälle wie Jako oder Wolfskin deutlich.

Vieles ändert sich; nutzen wir die Chancen; ich wünsche uns allen, dass wir die Medienkrise – die eigentlich ein Strukturwandel ist – als Chance begreifen und unsere Medienkompetenz neu einüben.

Mit ‚uns allen‘ meine ich Journalisten, Experten der verschiedensten Disziplinen, Berater, Unternehmer, Händler, Verbraucher, … uns alle eben. Wir alle haben die Möglichkeit, die verschiedensten Medienprodukte zu konsumieren, und genauso einfach können wir auch publizieren. Darüber hinaus war es noch nie so einfach, Kontakte zu finden und uns weltweit mit unseren virtuellen Freunden zu verbinden – Internet sei Dank 🙂

Das Internet ist das Medium, wir vernetzen uns über Webseiten wie Facebook, LinkedIn, Xing, … oder wir kommunizieren mit Hilfe von Miniblogs oder nutzen Plattformen wie Twitter, wir tauschen uns über Bookmark-Dienste wie delicious, diigo, mister-wong, … aus oder nutzen Friendfeed für Statusmeldungen oder zum Kommentieren, … u.v.v.a.m..

Diese Plattformen – und viele ähnliche mehr – bezeichnen wir als Social Media. Mit dem Begriff ‚Social Media‘ geht es mir so wie mit dem Begriff ‚Web 2.0‘: ich mag ihn nicht – mir fällt aber auch nichts besseres ein; ich werde mich wohl oder übel mit dem Begriff arrangieren 😉

Wissen Sie nun was Social Media ist?

Nein? Macht auch nichts 🙂

Das hört sich nicht nur sehr verwirrend an, es auch sehr verwirrend. Und genau deshalb sage ich: Einfach Machen 🙂

Und wie mache ich das jetzt mit Social Media? Gute Frage! Es gibt kein Patentrezept, wie mit Social Media, Web 2.0 u.ä. umzugehen ist. Wer hier anderes behauptet, hat m.E. nichts verstanden.

Allerdings muss auch Niemand etwas völlig Neues lernen; natürlich gelten die Kommunikationsregeln, die wir täglich anwenden (sollten!), auch im Internet: aktiv zuhören, deeskalieren, konfrontative Ich-Botschaft, … . Leider fehlen uns aber wichtige Dimensionen wie Stimme und Körpersprache.

Naja, diesen kleinen Hinweis erlaube ich mir doch noch 🙂 :

Immer mal wieder wundere ich mich über Freundschaftsanfragen bei Facebook oder Xing von mir völlig unbekannten Leuten, die mir weder via Twitter noch via Friendfeed folgen, und die mir auch nicht durch Kommentare meiner öffentlichen Blogartikel aufgefallen sind. Wenn da wenigstens eine Nachricht bei wäre, warum derjenige mich als ‚Freund‘ hinzufügen möchte …

… solche Kontaktwünsche ignoriere ich in der Regel. Viel besser ist das folgende Vorgehen bei der virtuellen Beziehungsanbahnung: erst zuhören (z.B.: bei Twitter folgen, Blogartikel lesen, falls vorhanden die öffentliche Fanseite bei Facebook abonnieren u.ä.m.), dann mitdiskutieren (z.B.: bei Twitter antworten, im Blog kommentieren u.ä.m.), und dann erst über eine Freundschaftsanfrage bei Facebook, Xing o.ä. nachdenken.

Ich bin ein Freund des Johari-Fensters, das sich m.E. gut auf die Kommunikation im Web anwenden lässt:johari-fenster

Die Arena, unsere Fassade, unser blinder Fleck und das Unbewusste bestimmen unsere Verständigung.

Arena: alles das, was allen Partnern bekannt ist

Fassade: Eigenschaften, Ansichten, Beweggründe, …, die mein Kommunikationspartner nicht kennt

Blinder Fleck: Meine Eigenschaften, Verhaltensweisen, Angewohnheiten, …, die mein Kommunikationspartner wahrnimmt, die mir selbst aber nicht bewusst sind.

Nicht Bewusstes: Alles, was mich indirekt prägt – frühkindliche Erfahrungen und alles das, was sich im Laufe des Lebens in meinem Unterbewusstsein ansammelt – aber weder mir noch dem Kommunikationspartner bekannt ist.

Je kleiner die Bereiche der Fassade und des Blinden Fleckes sind, desto besser funktioniert i.d.R. auch unser Miteinander.

Das bedeutet: Für ein gutes Kommunikationsklima und bestmögliches Verständnis sollte der gemeinsame Bereich – die Arena – möglichst groß sein. Dies erreiche ich, wenn ich erstens offen kommuniziere und möglichst viel von mir mitteile, und wenn ich zweitens offen für Feedback bin und diese Rückmeldungen auch aktiv einfordere.

Wenn ich mal bei den Modellen bin, will ich natürlich auch das 4-Ohren- bzw. 4-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun nicht unerwähnt lassen.

VierSeitenModell

Mehr dazu finden Sie auf der Website von Friedemann Schulz von Thun.

Ich hoffe, ich konnte Sie mit dem Social Virus infizieren 🙂

In diesem Sinne … Einfach Machen

Kreuztal, im November 2009
🙂 Rainer Helmes

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