Social Media – Blick in die Glaskugel: was geht, was kommt?

Eine rein subjektive Betrachtung!

Definition: ich definiere Social Media als eine offene und öffentliche interaktive dialogorientierte Kommunikation in Neuen Medien*

*Neue Medien: hierzu zähle ich Weblogs aller Art, Netzwerke wie Facebook, Xing u.ä., Foren, Wiki, Kurzmitteilungsdienste wie Twitter und Google Buzz, Aggregatoren wie Friendfeed, Lifestream.fm und alle anderen Plattformen, auf denen Mitglieder empfehlen und kommentieren.

Und in letzter Konsequenz gehört jede Webseite zu den Neuen Medien, die eine Interaktion der Leser bzw. Besucher untereinander und mit den Betreibern ermöglicht. Ja, das ist sehr weit gefasst, aber wo wollen wir die Grenze ziehen?

Kurz: Social-Media-Plattformen, bzw. Neue Medien, gibt es wie Sand am Meer.

Alle diese Plattformen leben davon, dass ihre Mitglieder aktiv gestalten. Wir wissen aber, dass wir eher träge Konsumenten sind; die sog. 90-9-1-Regel ist sicher nicht weit von der Wahrheit entfernt, d.h. 1% der Besucher einer Plattform setzt aktiv Impulse, 9% greifen diese Impulse auf, kommentieren hier und da oder betätigen den „Gefällt-mir-Button“ und 90% der Besucher schauen sich das Angebot aus der sicheren Ferne vor dem Bildschirm an und denken sich ihren Teil dazu.

Nicht, dass jetzt ein Missverständnis entsteht. Ich kritisiere diese Konsumenten nicht. Das Internet passiv zu nutzen, ist völlig in Ordnung! Denn was wären wir Blogger ohne unsere Leser? Ich nutze die Gelegenheit und sage Danke!

Was heißt das für Social Media? O.K., jetzt wird es spekulativ:

Alle geschlossenen Netzwerke, wie Facebook, Xing, VZ-Netze …, verlieren an Bedeutung für die breite Masse, werden aber für eine kleine Gruppe immer wichtiger – klein ist relativ und bezogen auf die Summe aller Internet-Nutzer. Gleichzeitig entstehen neue, kleinere Netzwerke, die ihre Nische finden.

Die Bedeutung interaktiver Webseiten und speziell von Weblogs wird sehr stark zunehmen, während „einfache“ Webvisitenkarten kaum mehr wahrgenommen werden.

Ich gehe fest davon aus, dass uns Twitter – bzw. die „Twitter-Kommunikation“ – auch weiterhin in der bekannten Form erhalten bleibt.

Was kommt? Jetzt wird es noch spekulativer:

Die Bereitschaft zum öffentlichen Kommentieren und Bewerten wird weiter stark zunehmen. Immer mehr Privatpersonen – aber auch Kaufleute – werden im Internet recherchieren und sich bei (Kauf-)Entscheidungen von den Empfehlungen und Bewertungen völlig unbekannter Leute beeinflussen lassen.

Gleichzeitig wird erwartet, dass die Ansprechpartner in den Unternehmen direkt via Internet erreichbar sind – und sei es auch „nur“ per E-Mail – und in angemessener Zeit auf Anfragen reagieren.

Müssen Unternehmen „Social Media machen“?

Ich sage klar und deutlich: Nein! Unternehmen brauchen keine Fanseiten, keinen Kurznachrichtendienst für ihre Infohappen usw. usf. …

Aber: Unternehmen müssen dialogbereit sein! Nicht unbedingt öffentlich, aber die Ansprechpartner müssen erreichbar sein – und das nicht über eine teure Hotline, die zudem zunächst 20 Minuten Musik abspielt, die keiner hören möchte!

Und Unternehmer und Markeninhaber müssen wissen, dass im NETZ über sie gesprochen wird, das lässt sich nicht verhindern; eine Einflussnahme durch die eigene aktive Teilnahme ist i.d.R. anzuraten. Diese Gespräche sollten die Unternehmen – soweit es geht – auf ihre eigene Webseite holen.

Ich vermute, dass zukünftig mehr und mehr Unternehmen sog. Newsrooms – also Schauräume – für ihre (potenziellen) Kunden einrichten und hier den Dialog intensiv fördern.

Rainer Helmes

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Rainer Helmes

Ich bin Diplom-Ingenieur Elektrotechnik, Wertanalytiker nach DIN 69910 mit VDI-Zertifikat und ausgebildeter H.D.I.®-Trainer. Seit 2006 bin ich persönlich haftender Gesellschafter der MiFoMM OHG, Kreuztal.

2 Gedanken zu „Social Media – Blick in die Glaskugel: was geht, was kommt?“

  1. Müssen Unternehmen “Social Media machen”?- Ich sage klar und deutlich: JA!

    Nicht alle Unternehmen sind auf die Entwicklungen im sozialen Web gut vorbereitet. Häufig wird an den Berater die Frage herangetragen, ob denn ein unternehmerisches Engagement in sozialen Web und Enterprise 2.0 überhaupt notwendig ist und die teuere Investition sich lohnt. Hierzu möchten ich den Zweiflern mit auf den Weg geben, dass man das Web 2.0 zwar ignorieren kann. Das Web 2.0 mit seinen vielen Millionen Nutzern ignoriert Unternehmen, Produkte, Dienstleistungen oder Einzelpersonen jedoch nicht. Es gilt zu handeln, um aus neuen Möglichkeiten maximalen Nutzen zu ziehen! Unternehmen müssen kurzfristig über den Einsatz der sozialen Medien bei kleinem Spielraum entscheiden. Eine Entscheidung gegen Social Media kann – wie viele Beispiele von Reputationskrisen zeigen – fatal sein.

    Manfred Leisenberg

    1. Danke für den Kommentar!

      Die Schwierigkeiten mit „Social Media“ liegen m.E. nicht nur an den beliebig vielen Definitionen, die im Raum stehen, sondern auch darin begründet, dass manchmal „nur“ die Technologie gemeint ist und ein anderes Mal wird mit „Social Media“ dann auch noch eine komplett neue (Organisations-)Kultur gefordert. Dass Unternehmen damit überfordert sind, wundert mich nicht wirklich. Ich meide daher diesen Begriff.

      Sie haben Recht, Unternehmen können das Internet nicht länger ignorieren. Fakt ist, über Produkte, Dienstleistungen und Marken wird im NETZ gesprochen. Bewertungen und Empfehlungen werden für Kaufentscheidungen immer wichtiger. In diesem Sinne gibt es keine Entscheidung für oder gegen das NETZ. Unternehmen können z.B. mit Google-Alert bestimmte Marken „im Blick“ behalten.

      Zweiter Punkt, Unternehmen müssen ansprechbar sein. Und die Unternehmen müssen auf Anfragen zeitnah reagieren. Eine für den Anrufer teure Hotline ist da i.d.R. eher kontrapoduktiv. Eine E-Mail-Adresse, die auch zeitnah überwacht wird, ist heute Pflicht – welche anderen Werkzeuge – wie Facebook, Twitter, … – in Frage kommen, hängt dann natürlich stark von den Kunden ab.

      Wenn ein Unternehmen alle die o.g. Punkte beherzigt und entsprechende Werkzeuge einsetzt, können wir dann schon davon sprechen, dass dieses Unternehmen „Social Media macht“? Hmmm … das habe ich bisher nicht so gesehen.

      Dritter Punkt; und das – und nur das – ist für mich „Social Media“ bzw. der dialogorientierte Einsatz von Neuen Medien: Unternehmen können ihre Kunden direkt ansprechen, indem sie Weblogs, Wikis, Foren aufbauen oder Plattformen wie Facebook für eine eigene „Fanseite“ nutzen. Hierbei muss allerdings der Dialog mit den Kunden – den Fans – an erster Stelle stehen.

      Nach meiner Auffassung sind viele – die meisten? – Unternehmen aufgrund ihrer internen Struktur – ihrer Aufbau- und Ablauforganisation – noch nicht bereit für diesen letzten Schritt in „Social Media“. Und genau an dieser Stelle müssen Berater m.E. ansetzen, um solche „Vodafon-Desaster“ zu vermeiden.

      Meine Meinung: erst die (interne) Struktur anpassen, dann twittern … nicht umgekehrt.

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