20 Jahre Internet – Standortbestimmung und Ausblick – Gartner Hype Cycle

Das Internet beginnt mit einer Vision. 1989 stellt Sir Timothy John Berners-Lee seine Idee von der vernetzten Welt vor.

Und mit dem Aufkommen der Webbrowser verlässt ‚das Internet‘ den Elfenbeinturm und gelangt in den Mainstream.

Die ersten statischen Internet-Seiten entstehen. Der ‚große Run‘ nach Internet-Namen (Domains) begann dann so um 1996 … damals gab es mal den Werbespot der IBM:

Denn hier steht geschrieben „wir müssen ins Internet“! – Aber wozu? – Das steht nirgendwo.

(Leider kann ich den Spot nicht mehr finden, wer einen Link hat, immer her damit, würde mich sehr freuen 🙂 )

Thorsten Zoerner hat diesen Spot nachgeliefert 🙂 – Danke dafür!

[Video ist nicht mehr verfügbar]

Die Chronik der DENIC eG spiegelt dieses Wachstum eindrucksvoll wider:

DenicChronik

Und das Wachstum ist bis heute ungebrochen.

ghcvideo

Anwendung des Gartner Hype Cycles

Klicken Sie auf nebenstehende Abbildung, Sie sehen ein Video (engl.) mit Jackie Fenn, VP Gartner Fellow, zu dem von ihr entwickelten Modell mit ihrer Einschätzung zu ‚Social Networking‘.

Mit Hilfe dieses Modells will ich die Entwicklungsstufen des Internet aus den Perspektiven ‚Technologie‘ und ‚Kultur des Mitwirkens‘ betrachten.

InternetHypeCycle

Der einfache Hype-Zyklus wird nach dieser Definition in fünf Abschnitte unterteilt:(1)

  1. technologischer Auslöser: Die erste Phase ist der technologische Auslöser oder Durchbruch, Projektbeginn oder ein sonstiges Ereignis, welches auf beachtliches Interesse des Fachpublikums stößt. Trittbrettfahrer steigen auf das neue Thema auf.
  2. Gipfel der überzogenen Erwartungen: In der nächsten Phase überstürzen sich die Berichte und erzeugen oft übertriebenen Enthusiasmus und unrealistische Erwartungen. Es mag durchaus erfolgreiche Anwendungen der neuen Technologie geben, aber die meisten kämpfen mit Kinderkrankheiten.
  3. Tal der Enttäuschungen: Technologien kommen im Tal der Enttäuschungen an, weil sie nicht alle Erwartungen erfüllen können und schnell nicht mehr aktuell sind. Als Konsequenz ebbt die Berichterstattung ab.
  4. Pfad der Erleuchtung: Obwohl die Berichterstattung über die Technologie stark abgenommen hat, führen realistische Einschätzungen wieder auf den Pfad der Erleuchtung. Es entsteht ein Verständnis für die Vorteile, die praktische Umsetzung, aber auch für die Grenzen der neuen Technologie.
  5. Plateau der Produktivität: Eine Technologie erreicht ein Plateau der Produktivität, wenn die Vorteile allgemein anerkannt und akzeptiert werden. Die Technologie wird immer solider und entwickelt sich in zweiter oder dritter Generation weiter. Die Endhöhe dieses Plateaus hängt stark davon ab, ob die Technologie in Massen- oder Nischenmärkten angenommen wird.

Wo befinden wir uns, wenn wir den Gartner Hype Cycle zugrunde legen?

Wenn wir die Internet-Technologie als ganzes nehmen, dann haben wir sicher das „Plateau of Productivity“ erreicht.

InternetHypeCycle2

Heute ist dieses „technologie-getriebene Internet“ in unserem Alltag angekommen; die Online-Nutzung nimmt stetig zu:

Abb01

aus: http://www.daserste.de/service/studie08_1.pdf

Web 2.0 vor Desillusionierung?

Z.Z. erleben wir einen Boom von Twitter (Twitter steht hier stellvertretend für Microblogging) und den „sozialen Netzwerken“ wie Xing, Facebook u.v.a.m.. Wir haben Online-Identitäten noch und nöcher. Den „Gipfel überzogener Erwartungen“ haben wir m.E. erreicht bzw. bereits überschritten; das „Tal der Enttäuschung“ liegt vor uns. Ich bin sicher, wir werden dieses Tal schnell durchschreiten und in den nächsten Jahren über den „Anstieg der Erleuchtung“ das „Plateau der Produktivität“ erreichen.

Beim Blick in meine Glaskugel 🙂 – sehe ich in etwa diesen Verlauf für das „Mitmach-Internet“, das sog. „Web 2.0“ in der Definition nach O’Reilly:

InternetHypeCycle3

Aulöser (Innovations-Trigger) ist nicht die Technologie sondern die zwischenmenschliche Komponente – die Kultur des Mitwirkens:

„Kurz gesagt ist das www der nächsten Generation nicht länger nur ein Markplatz mit Produzenten und Konsumenten, sondern ein sozialer Raum, in dem sich Menschen austauschen, vernetzen, bloggen, podcasten, Videos und Bilder mit anderen Nutzern teilen und Kontakte knüpfen.“

Wie das ‚Mitmach-Internet‘ unsere Gesellschaft verändern kann, zeigt die Dukumentation Us Now (in englischer Sprache) sehr anschaulich – sehr interessante 60 Minuten!

Hier geht es zum Video: Us Now on Vimeo. Eine Diskussion zum Film gibt es hier: Us Now discussion on Vimeo.

Sehr zu empfehlen sind auch die kurzen Videos-Statements von Don Tapscott, Clay Shirky, Lee Bryant und vielen anderen mehr.

Zum Beispiel: Don Tapscott – Corporate Behaviour

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(1) Seite „Hype-Zyklus“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. Oktober 2008, 18:25 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hype-Zyklus&oldid=52394044 (Abgerufen: 18. Mai 2009, 17:01 UTC)

Online Identitäten – Wer bin ich?

Jeden Tag stoße ich auf eine neue „Community-Seite“, auf der ich mich der Netzgemeinde vorstellen soll.

Online-Reputations-Management nennt man das wohl. Der PR-Blogger empfiehlt, „möglichst viele Profile im Netz anzulegen“:

Je früher Sie dran sind, desto besser für Sie, denn sollten Sie Müller, Meyer oder Schmidt heißen, könnte es schon zu spät sein. Wenn Ihre Namensvetter ebenfalls über Web 2.0-Know-how verfügen, haben Sie vielleicht im digitalen Darwinismus schon verloren. Klaus Eck

Ein Google-Profil ist schnell eingerichtet …

GoogleProfil

… und schon können Sie sich auch direkt mit Google-Friend-Connect vernetzen:

… oder darf es auch die myOn-ID-Visitenkarte sein?

MyOnID

[Bideo nicht mehr verfügbar]

… oder ClaimID? …

ClaimID

… oder Yiid? …

YiidProfil

… oder DandyID? …

DandyID

… es gibt noch viele viele mehr.

Ok! … aber ein Profil sollte ausreichen, oder? Nur welchen Dienst nehmen?

Alle diese Dienste versprechen uns auch eine eigene OpenID, mit der wir uns dann wieder bei hunderten anderer Dienste anmelden können. Unsere persönlichen Daten und unsere Kontakte nehmen wir mit (so ist zumindest die Theorie).

PublicProfiles

Man kann natürlich auch der Netzgemeinde mitteilen, wo man überall dabei ist. Die entsprechenden Widgets lassen sich in das eigene Blog integrieren. Nur m.E. bedeutet hier Masse nicht unbedingt Klasse!

Nebenstehender Abriss zeigt die Darstellung meiner öffentlichen Profile, die ich – mal mehr mal weniger – nutze. Sicher habe ich noch den einen oder anderen Dienst vergessen, bei dem ich mich auch noch angemeldet habe … auf alle Fälle sind es zuviele!

Bin ich der einzige der hier langsam aber sicher die Übersicht verliert? … Ich denke, eine Beschränkung ist angebracht.

Aber welche Dienste brauchen wir wirklich? Ja, ich weiß, diese Frage ist so nicht korrekt gestellt … zunächst muss ich wissen, was ich mit diesen Diensten bezwecke!

Es geht um das Vernetzen – deshalb die wichtigste Frage: wo stecken unsere Freunde, Partner, Kunden, Kollegen, …?

Ja und es geht natürlich auch um die Frage, wie die eine oder andere Anwendung im produktiven Einsatz von Unternehmen bzw. Organisationen genutzt werden kann.

Was die Anzahl der genutzten Dienste angeht, tendiere ich mehr zu dem Ansatz weniger ist mehr.

Aber es gibt auch Hilfe für den, der nichts verpassen will: KnowEm meldet Interessenten gegen eine Gebühr von $64,95 bei 120 populären Social-Media-Sites an; und wer monatlich $9,95 zahlt, wird dann automatisch bei jeder neuen Social-Media-Site angemeldet.

knowem

Bin ich der einzige, der hierzu – etwas ketzerisch – fragt: Was soll das? Wer braucht das? Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare 🙂

Egal wie oder wo – ich wünsche uns allen ein erfolgreiches Netzwerken.

🙂 Rainer Helmes