Warum Corporate Blogs scheitern.

Was passiert, wenn Unternehmen und Blogger aufeinandertreffen?

Kann das gut gehen?

Ja! Aber! … wir müssen akzeptieren, dass „Welten aufeinanderprallen“ 🙂 … und beide Seiten müssen Toleranz üben 🙂

Fakt ist, viele Leser werden durch Sprache und Inhalt der Blogs abgeschreckt. Und dennoch … Blogs müssen sich von „geschliffenen“ Pressemitteilungen unterscheiden, sonst wären es keine Blogs 😉

Es gibt Vorbehalte und Vorurteile auf beiden Seiten – berechtigte und unberechtigte! Diese Diskussion an der Blogbar macht das sehr gut deutlich.

Ein oft gehörter Vorwurf: Blogger beschäftigen sich nur mit sich selbst.

Blogger schreiben nur über das Bloggen (so wie ich hier 😉 ))) – und neuerdings auch über das Twittern – Das lockt niemanden hinter dem Ofen hervor – zumindest keine Entscheidungsträger aus der Wirtschaft.

Wie sieht das aus der Sicht mancher Blogger aus?

Die eigentlich angesprochenen Entscheidungsträger aus den Unternehmen und Organisationen reagieren nicht – kein öffentlicher Kommentar, bestenfalls mal eine Mail oder eine Anmerkung hinter vorgehaltener Hand … das erzeugt auch Frust mit der Folge: Blogger bloggen nicht mehr.

Matthias Schwenk:

Die Irrelevanz meines Blogs beim Mittelstand: Was immer ich hier schreibe, es wird bei meiner eigentlichen Zielgruppe nicht wahrgenommen. Und daran dürfte sich auch noch auf längere Sicht nichts ändern. Noch vor einem Jahr war ich der festen Überzeugung, die Zeit sei reif für die Themen “Web 2.0? und “Enterprise 2.0? in deutschen Unternehmen. Heute sehe ich viel stärker die kulturverändernde Wirkung der Digitalisierung und denke, dass es bei uns noch sehr lange dauern wird (10 bis 15 Jahre?), bis wir Verhältnisse wie heute in den USA oder Japan haben werden.

Patrick Breitenbach:

Die Fachpresse hat zwischenzeitlich erkannt, dass sie so Pseudorebellen wie vom Werbeblogger nicht vermarkten können und daher starten sie lieber selbst witzige Werberätsel, Kampagnenverisse, Plagiatsvorwürfe oder tonnenweise Kurzlinks aus der Welt der Werbung. Ob man das jetzt als Hommage sehen sollte, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass dies ein weiterer Moment für mich ist einen Schritt Abstand zu nehmen, wieder etwas neues zu suchen.

Elita Wiegand:

Das Ergebnis der „Blogmüde-Umfrage“ hat mich überrascht: Wenn zwölf Teilnehmer dafür plädieren, dass wir einfach warten, erinnert das doch sehr an die Kohl-Ära. Aussitzen bringt nun gar nichts. Viele haben sich per Mail gemeldet, die sich dafür aussprechen, dass das Blog weiter geführt wird. Mhh… Fehlt der Mut? oder die Zeit? seine Meinung hier zu veröfffentlichen? Bisher habe ich für das Blog unermüdlich gekämpft, weil ich davon überzeugt bin. Und das bisherige Ergebnis ist allen Unkenrufen zum Trotz gut: Viele Beiträge haben zum Nachdenken angeregt, hier wurde Wissen vermittelt, Partner haben sich kritisch auseinandergesetzt oder darüber geschrieben, was ihnen am Herzen liegt.

Und wenn Unternehmen bloggen? Warum werden Corporate Blogs nicht funktionieren?

Es heißt so schön, der Ton mache die Musik. Und dieser Ton ist selten kompatibel 😉 … es geht um Sprache, Stil und Form.

Und auch um die Frage: wie kommentiere ich in den Blogs der Unternehmen?

Kein Unternehmen wird sich über einen Kommentar freuen wie „dein produkt xyz ist aber sowas von sch…“. Was tun mit einem solchen Kommentar? Löschen? Sich auf eine sinnlose Diskussion einlassen, die das Unternehmen nur verlieren kann? Gar die rechtliche Keule schwingen? … Richtig machen, das geht nicht!

Es gibt Barrieren und Berührungsängste, die eine offene Diskussion zumindest erschweren …

… und Blogs leben von Kommentaren! Sie leben vom Dialog! Ohne Kommentare nimmt das Interesse der Autoren früher oder später ab. Wir alle brauchen Feedback 🙂

Ein Blog-Artikel muss persönlich, subjektiv, parteiisch und unabhängig sein! Ein von der PR-Abteilung weichgespülter Beitrag ist für Blog-Leser uninteressant!

Ein Beitrag spiegelt immer die Meinung des Verfassers wider. Aber wie weit kann, darf und will sich ein Mitarbeiter mit seiner Meinung aus dem Fenster lehnen? Meistens stehen Richtlinien – u.a. die sog. Corporate Identity – einer freien Entfaltung des Bloggers entgegen; man merkt das dann den Beiträgen an 😉

Ein Blog steht und fällt immer mit dem Autor bzw. den Autoren!

Unternehmen, die die sog. „Kommunikation 2.0“ leben wollen, sollten ihren Mitarbeitern unabhängige Blogs ermöglichen. Die Kompetenz und Verantwortung muss dabei voll und ganz beim Blogger liegen; dass dieser nichts schreibt, was er nicht auch auf jedem Marktplatz öffentlich hinausschreien könnte, sollte selbstverständlich sein; andernfalls drohen Abmahnung und Kündigung – und das dann zu Recht!

Von Fall zu Fall kann in einem nächsten Schritt untersucht werden, ob und wie das Mitarbeiter-Blog in den Firmenauftritt integriert werden kann.

Es gibt viele gute Beispiele, die zeigen, dass Blogs von Mitarbeitern die Reputation des Unternehmens positiv beeinflussen können. Nehmen Sie z.B. auch den Blog-Ansatz von Jonathan Schwartz.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern die nötigen Freiräume – aber auch nur denen, die ernsthaft und aus freien Stücken bloggen wollen!

Das, was ich hier bezogen auf Wirtschaftsunternehmen geschrieben habe, lässt sich auch 1:1 auf Verlage übertragen.

Z.B. für das Handelsblatt: Einem Gemeinschaftsblog, für das Beiträge erst nach einer Redaktionssitzung freigegeben werden, räume ich wenig Chancen ein, während das Blog von Thomas Knüwer zu Recht in den Top100 gelistet ist – aktuell auf Platz 12!

Und hier bloggt der Chef auch selbst 🙂

Das Corporate Blog ist tot, es lebe das „menschliche“ Blog! 🙂

Rainer Helmes

Nachtrag am 4.Juni 2008:

Eine Diskussion über Blogs, Blogger, Corporate Blogs, Corporate Blogger usw. usf. ist schwierig, weil diese Begriffe zwar besetzt aber nicht für jedermann klar und eindeutig definiert sind und jeder etwas anderes darunter verstehen will 🙂 Hierzu passt auch die Diskussion beim Werbeblogger zu der Frage „Ist das Modell ‚Blog‘ gescheitert?„.

Ich werde mich jedenfalls noch weiter mit ‚Weblogs im Unternehmensumfeld‘ beschäftigen 🙂 wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung …

Veröffentlicht von

Rainer Helmes

Ich bin Diplom-Ingenieur Elektrotechnik, Wertanalytiker nach DIN 69910 mit VDI-Zertifikat und ausgebildeter H.D.I.®-Trainer. Seit 2006 bin ich persönlich haftender Gesellschafter der MiFoMM OHG, Kreuztal.

22 Gedanken zu „Warum Corporate Blogs scheitern.“

  1. Da sind jetzt aber einige interessante Aspekte enthalten.

    Unternehmen und Blogger als unterschiedliche Welten: Ich sehe das wesentlich entspannter. Es gibt eine Vielzahl von klein(st)en Unternehmen, die sowohl mit Bloggern als auch dem Bloggen keine Probleme haben. Ich gehöre da auch dazu. 🙂 Wenn ein Siemens- oder Postchef sich in den Kommentaren noch nicht zu Wort gemeldet hat, muss das noch nichts heißen.

    Wenn ein Unternehmen offen in der Kommunikation ist, wird es keine Probleme mit einem Blog haben. Ist es nicht offen, ist das Blog vielleicht das falsche Instrument.

    Was tun, wenn kritische Kommentare auftauchen? Wenn es mir gelingt, über das Blog, die Website oder was auch immer, Vertrauen aufzubauen, dann wird es zwar unter Umständen Kritik geben, die ist dann aber konstruktiv und nicht destruktiv. Das heißt, wenn ich im Blog beschimpft werde, dann ist davor vielleicht schon was schief gelaufen. Ist es jemand, der einmal auftaucht und anonym schimpft, dann lösche ich diesen Kommentar. Punkt.

    „Viele Leser werden durch Sprache und Inhalt der Blogs abgeschreckt.“ Also mal konkret: wer wird durch welche Inhalte abgeschreckt? Und warum? Ich wüsste z.B. nicht, warum dieses Blog, seine Inhalte und Sprache auf irgendjemand abschreckend wirken könnten. Mag sein, dass sich jemand dafür nicht interessiert, in Ordnung. Aber abschrecken? Ich weiß nicht.

    Zu den Bloggern selbst: den Frust kann ich ja teilweise durchaus verstehen, aber was mir oft nicht klar ist: was sind die Ziele, die mit dem Blog verfolgt werden? Geht es darum Kunden zu gewinnen oder einen Logenrang in der Blogosphäre zu ergattern? Das sind zwei Paar Stiefel, die nicht unbedingt zusammen passen.

    Wenn ich in einem Nischenbereich tätig bin, der nichts mit dem Web2.0 zu tun hat und auf der Suche nach Kunden bin, dann sind viele Kommentare und ein hoher Verlinkungsgrad, überspitzt formuliert, ein Zeichen dafür, dass ich etwas falsch mache. Kommentare kommen nämlich meist von Bloggern und bei der Verlinkung gilt Ähnliches.

    Insofern halte ich diese Auseinandersetzung eigentlich für höchst überflüssig. Ein Blog ist keine „Kunstform“, wie irgendjemand mal geschrieben hat, sondern ein CMS, mit dessen Hilfe ich mich anderen Menschen mitteilen kann. Und wenn die wollen, können sie darauf reagieren. In Form von Kommentaren, Emails, Telefon, oder auch einfach nur, indem sie das Blog weiterhin lesen. Das ist doch auch schon viel Wert in einer Zeit, wo das nicht mehr selbstverständlich ist.

  2. Christian: Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar!

    Zu der Frage „wer wird konkret abgeschreckt?“:

    Leider tendieren viele Leute zu Verallgemeinerungen 🙁 – schnell heißt das dann „die Blogger“ – obwohl es „den Blogger“ als Typ nicht gibt. Und – ohne Namen zu nennen 🙂 – ich kenne Leute, die ein paar Blogs gelesen haben und nicht gerade von dem Ton angetan sind, gelinde gesagt; auch das schnelle Duzen wird im eher konservativen Unternehmer-Umfeld i.d.R. abgelehnt.

    … Und dann werden alle Blogger schnell in einen Topf geworfen, so dass es manchmal besser ist, einfach „nur“ von einer Webseite zu sprechen 😉

    Ich hatte das Blog lange Zeit auch ausschließlich über die Technik definiert und ansonsten mit ‚CMS‘ gleichgesetzt.

    Das halte ich heute für zu kurz gegriffen; Bloggen ist auch eine spezielle Kultur und mit einer „blogischen“ Website will ich was ganz bestimmtes ausdrücken. Unternehmen, die bewusst bloggen wollen, müssen sich m.E. auch mit der „Blogosphären-Kultur“ auseinandersetzen.

    Dadurch haben Unternehmen die einmalige Chance, die „junge und internet-affine“ Generation zu gewinnen …

    … und „immer an die Leser denken!“ – (viele Leser sind auch Blogger (=Kunden) 🙂 )))

  3. Und wie sieht diese spezielle Blogkultur aus? Eigentlich ist es doch das typische one-to-many-Prinzip, das hier zur Anwendung kommt?

    Kommentieren kann ich heute fast in jeder Online-Zeitung. Selbst Links sind dort teilweise schon in den Text integriert. Was zeichnet die Blogosphäre wirklich aus?

    Ich frage deshalb nach, weil mich die Haltung von Bloggern stark an den Kunst- und Kulturbereich erinnert. Dort glaubt man oft, man sei was „besseres“ oder etwas „besonderes“. genannt wird in diesem Zusammenhang der Idealismus. Aber ehrlich gesagt: idealistisch sind viele Menschen, auch in anderen Branchen. Und ob Künstler bzw. Blogger bessere Menschen sind, wage ich zu bezweifeln.

  4. „Und wie sieht diese spezielle Blogkultur aus?“

    Ja, die Frage gefällt mir! – völlig ernst gemeint.

    Vielleicht ist der Begriff „Kultur“ falsch gewählt; bin kein Fachmann dafür 😉 – wie schon mehrfach betont, bin ich kein Freund von Verallgemeinerungen.

    Es gibt ‚den Blogger‘ genauso wenig, wie es ‚den Unternehmer‘ gibt. Dennoch neigen wir zu ‚Schubladen-Denken‘. (weil es einfacher ist 🙂 )))

    Und der Begriff ‚Blogger‘ ist vorbelastet; für den einen positiv, für den anderen negativ … (vgl. auch Blogger vs. Journalisten 😉 )))

    Genauer sollen sich Soziologen damit auseinandersetzen; siehe auch Wikipedia: Merkmale der Blogger

  5. Das Corporate Blog ist tot, es lebe das “menschliche” Blog!
    „Blogger schreiben nur über das Bloggen) – und neuerdings auch über das Twittern“ aktuell über frienfeed, immer wieder über das Verhältnis Blogs vs. Journalismus und andauernd wird darüber gebloggt, was alles schief läuft in dieser Republik.
    Was ist eigentlich ein Corporate Blog? Ist es ein Blog, welches von einem Unternehmen betrieben wird? Wer bloggt bei einem Corporate Blog? Der CEO, der CIO, die Marketingabteilung, bezahlte Blogger, die Mitarbeiter, bei Opel die Test-Ingenieure.
    Nehmen wir mal das Daimler-Blog. Da kenne ich mich ein wenig aus: Hier bloggen die Mitarbeiter. Und nur diejenigen, die Lust dazu haben. Sie bloggen genau so, wie Blogs ursprünglich begonnen haben: nämlich als eine Art Tagebuch. Da schreibe ich in der Regel rein, was mich an einem bestimmten Tag beschäftigte, oder was mich bewegte. Möglicherweise unspektakulär und nur für eine kleine Zielgruppe interessant. Ein Tagebuch eben.
    Aber es wird gelesen. Am ersten Tag mindestens 1.000 Mal, teilweise 3.000 Mal. Im Long Tail kommen die Tagebucheinträge nach einem halben Jahr alle auf 5.000, manche auch auf über 10.000 Lesezugriffe (die Bots herausgerechnet). Vorher kannte die Geschichte nur der Partner oder auch der immer gern genommene „Sportskamerad“. Insofern stellt der einzelne Post doch ein Erfolg dar, oder? Auch wenn aus Sicht der „klassischen“ Blogger, nichts Aufregendes dabei ist.
    Steve Rubel hat auf der next08 einen sehr interessanten Vortrag über„10 trends that will shape your digital future“ gehalten und festgestellt, dass die Massenreichweite 2004 gestorben ist. Er sprach von einer neuen „Micro Audience“, die es anzusprechen gilt. Ich glaube, genau da liegt das Potenzial von Corporate Blogs, diese Zielgruppe anzusprechen und mit ihnen zu kommunizieren. Und diese Zielgruppe besteht in der Regel nicht aus Bloggern, sonder aus ganz „normalen“ Menschen, die teilweise bis dato noch gar nicht mit Blogs in Berührung kamen. Genau diese Gruppe stellt beim Daimler-Blog die Mehrzahl der Leser und Kommentatoren dar.
    Jedes Blog zieht seine spezifische Leserschaft an. Don Alphonso hat sicherlich andere Leser als Klaus Eck und die Leserschaft des Frosta-Blogs bildet vermutlich auch keine Schnittmenge mit der des Daimler-Blogs. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie betreiben ein Weblog und sprechen ihre Zielgruppe in der Form an, die sie für angemessen halten.
    Insofern würde ich die Corporate Blogs nicht für tot erklären und ihnen erst einmal eine Chance geben, sich zu etablieren. Der Erfolg wird vermutlich davon abhängig sein, wie viel „Corporate“ und wie viel „Mensch“ darin enthalten sein wird.

  6. Pingback: PR 2.0
  7. @uknaus: Vielen, vielen Dank für diesen tollen Kommentar!

    Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Sie bestätigen eindrucksvoll meine These!

    Sie fragen selbst „Was ist eigentlich ein Corporate Blog?“ Genau! Auf die Frage habe ich auch keine Antwort.

    Wer definiert eigentlich ein „Corporate Blog“? Warum nicht diese Worthülse streichen? M.E. ist ‚Corporate Blog‘ genauso ein „Buzzword“ wie ‚xyz 2.0‘; geht mir ehrlich gesagt auf den Wecker 🙁

    „Der Erfolg wird vermutlich davon abhängig sein, wie viel ‚Corporate‘ und wie viel ‚Mensch‘ darin enthalten sein wird.“

    Ja! … und je mehr ‚Mensch‘ und je weniger ‚Corporate‘, desto besser 🙂 Es lebe das „menschliche“ Blog!

    „Und diese Zielgruppe besteht in der Regel nicht aus Bloggern, sonder aus ganz ’normalen‘ Menschen …“ – Blogger sind auch Menschen 😉

    Gegen die oben zitierte Trennung – Blogger vs. normaler Mensch – wehre ich mich! Ich nehme für mich in Anspruch, sowohl Blogger als auch normaler Mensch zu sein 😉

    Sie sprechen Don Alphonso an. Ein gutes Beispiel! Den Kernaussagen stimme ich i.d.R. zu; manchmal schießt er etwas über das Ziel hinaus. Über Ton und Stil lässt sich trefflich streiten. Mir gefällt die direkte derbe Art, obwohl ich diese Formulierungen niemals gebrauchen würde.

    Ich wünsche mir, dass der Dialog via Weblog einmal so ’normal‘ ist wie heute das Telefonieren … (und da unterscheidet auch niemand zwischen einem ’normalen‘ Telefonierer und einem ‚Corporate‘-Telefonierer 🙂 )))

    Übrigens verdient Ihr Kommentar größere Beachtung. Ihr Einverständnis vorausgesetzt, möchte ich diesen Kommentar gerne in einem neuen Artikel herausstellen.

  8. „Gegen die oben zitierte Trennung – Blogger vs. normaler Mensch – wehre ich mich! Ich nehme für mich in Anspruch, sowohl Blogger als auch normaler Mensch zu sein.“

    Deshalb ist Bloggen für mich auch keine „spezielle Kultur“, sondern einfach nur ein Gesprächsangebot. Das kann ein ganz banaler Dialog sein, es kann aber auch den geschlossenen Raum des Blogs verlassen. Es bleibt aber trotzdem ein Gespräch.

    uknaus hat daher völlig recht: es gibt DAS Corporate Blog nicht. Und nachdem es auch nicht DAS Unternehmen gibt, ist das auch gut so.

  9. „es gibt DAS Corporate Blog nicht. Und nachdem es auch nicht DAS Unternehmen gibt, ist das auch gut so.“

    wenn das die Quintessenz aus diesem Dialog ist, bin ich sehr zufrieden! mehr konnte ich nicht erreichen 🙂

  10. @Rainer Helmes: Gerne können Sie den Kommentar verwenden.
    Bei den „normalen Menschen“ wollte ich die Gruppe der Blogger, sog. „Digital Natives“ natürlich nicht ausschliessen. Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt.
    Ich meinte damit diejenigen, die nicht im Web übernachten und mit Social Media, RSS, Communities und allgemein mit Web 2.0 nichts anfangen können. Diejenigen, die langsam beginnen, die Feedbackkanäle im Netz zu nutzen, sich aber erst noch an die veränderten Kommunikationsmethoden gewöhnen müssen. Sie beginnen sich langsam an den Gesprächen im Netz zu beteiligen, jedoch noch mit „Sehr geehrte Frau… oder Hochachtungsvoll Ihr…“
    Die Sprache, die Geschwindigkeit und dass das jetzt jeder mitlesen kann, ist für diese Zielgruppe neu.
    btw: Auch ich lese die Blogbar und finde die Diskussionen teilweise spannend.

  11. @uknaus: Mit dem „missverständlich ausdrücken“ ist das so eine Sache im Netz, zu diesem Thema kann man wieder viel bloggen 🙂

    Wir müssen erst lernen, mit dieser neuen Form der (Internet-)Kommunikation umzugehen – für Feedback fehlt der wichtige Teil der Körpersprache – Missverständnisse sind vorprogrammiert!

    Das ist mit ein Grund, weshalb ich oft die sog. Emoticons einsetze.

    Es gibt eben noch keinen Standard für eine „Blog-Sprache“, das hält viele erst einmal dovon ab, überhaupt zu kommentieren.

    Mit der Anrede geht es schon los … Sie bringen es auf den Punkt: „‚Sehr geehrte Frau… oder Hochachtungsvoll Ihr…'“ – ja, wie denn 🙂

  12. Sehr interessante Diskussion. Schon vorweg meine Meinung: Corporate Blogs werden nicht scheitern!!

    – Corporate Blog Rezipienten sind in der Regel nicht daran interssiert inhaltslose Kritik am Produkt oder der Firma zu äussern. Erstens lesen meist nur Leute einen Corporate Blog, dessen Thema oder Firma sie interessiert (im positiven Sinne). Klar gibt es kritische Branchen (Fast-Food, Tabakmultis etc.), in denen ein Corporate Blog gut überdacht und geplant werden muss. Aber meines Wissens wird der McDonalds CSR Blog nicht mit negativer Kritik überhäuft. Die Leser sind primär an Fach-Content interessiert (siehe meine Studie).

    – Bloggen für die Blogosphäre oder für die Zielgruppe? Tja, irgendwie beides, nicht? Zur Vereinfachung: ich rede von non-Web 2.0 Angeboten, also eher klassischen Offline-Produkten/ Dienstleistungen. Primär sollen natürlich die (zahlenden) Kunden angesprochen werden. Da sehe ich eine der grösten Schwachpunkte eines Corporate Blogs. Wie macht man das Angebot den nicht-Web 2.0-affinen Leuten schmackhaft? Da kommt es eben auf den Content an, der nicht von Meta-Blog-Diskussionen gespickt sein sollte (dieser Vorwurf hat wirklich was!), sondern ein luftig, locker, leicht geschriebenes Tagebuch sein muss, das es versteht, nützlicher Fachcontent in Geschichten zu verpacken. Es muss hier eine Beziehung zwischen Leser und Schreiber mit episodenhaftem Charakter entstehen, damit der Leser auch das nächste mal wieder dabei ist. Wie genau dieser Inhalt ausschaut ist sehr Firmen-, Branchen- und Produktspezifisch. ABER für einen Corporate Blog – so meine ich – ist die Zielgruppe auch die Blogosphäre bzw. die Blogger! Obwohl diese nicht unbedingt zu den zahlenden Kunden gehören müssen, leisten sie dennoch einen wichtigen Beitrag. Sie agieren als Multiplikatoren von Inhalten und Page-Rank-Booster. Insofern ist also das Führen eines Corporate Blogs eine Gratwanderung zwischen der „Befriedigung“ der eigentlichen Zielgruppe und der Nutzung der Vernetzung in der Blogosphäre. Ein „Logenrang in der Blogosphäre“ hilft, die Zielgruppe im Endeffekt besser zu erreichen.

    – Zur Blogger-Kultur: Das Bloggen zeichnet sich durch die spezifische Nutzung eines CMS-Systems für bestimmte Zwecke aus. Die einen nutzen es als privates Tagebuch, andere als PR-Kanal für die eigene Firma. Egal für welchen Zweck, grundelegende Regeln gelten für (fast) alle Blogger: Quellenangabe, Querverweise, Blogroll, Tags, Kommentarfunktion etc. etc. Ob man jetzt von Kultur oder etwas anderem spricht ist Ansichtssache. Auf jeden Fall basiert das Bloggen auf einem allgemein anerkannten und regelbasierten Verhalten. Das macht die Blogger zu etwas „Speziellem“. Aber diese Sonderexistenz wird von den herkömlichen Online-Angeboten unterwandert. Online-Zeitungen setzen ebenfalls auf RSS, Kommetare und Verlinkungen. Hier stellt sich die Frage nach der Zukunft der Blogs – oder was kommt danach? Ich gehe davon aus, dass es eine Vermengung der verschiedenen Angeboten (gibt) geben wird und sich die User selbst durch neudefinierte Verhaltensregeln zu etwas Speziellem (the next big thing) machen werden.

  13. @Dominik: I.O., bleiben wir bei der Bezeichnung ‚Corporate Blog‘; nein, ‚Corporate Blogs‘ werden nicht scheitern – zumindest nicht in dieser pauschalen Aussage! – Schon deshalb nicht, weil sich das Bloggen als Kommunikationsform durchsetzen wird (früher oder später 🙂 )))

    Ich sehe das Blog – so wie Christian auch geschrieben hat – als Angebot zum Dialog. Vorausetzung ist natürlich die Beteilung der Leser.

    Und wenn ich nun ins Internet schreibe, darf ich mich auch nicht wundern, wenn ich dort zuerst auf internet-affine Leser treffe. (Schließlich gehe ich auch nicht nach Wladiwostok in der Hoffnung, dort überwiegend auf Amerikaner zu stoßen; naja, der Vergleich hinkt, ich weiß 🙂 )))

    Auf jeden Fall sollten „Corporate-Blogger“ die „anderen Blogger“ ernstnehmen 🙂

    Ernstnehmen heißt nicht Anpassen! Auf keinen Fall! Bleiben Sie immer Sie selbst!

    „Corporate-Blogger“ müssen sich auch nicht an „Blog-Fehden“ beteiligen, oder bei „Sautreiben“ mitmachen, aber sie sollten sich an den Dialogen der Blogosphäre beteiligen.

  14. ich sehe vieles von dem, was hier gesagt wurde, ähnlich. wir als SinnerSchrader betreiben selbst mehrere blogs, und auch viele unserer mitarbeiter bloggen. für http://www.radicalmonday.de/ bin ich verantwortlich, wenn ich es auch nicht selbst schreibe. so und jetzt kommt vermutlich der riesenhammer: dafür haben wir eine mitarbeiterin, yvonne neubauer, eingestellt. unser blog richtet sich nicht primär an die blogosphäre, sondern an bewerber, interessierte und unsere eigenen mitarbeiter (womit die blogosphäre dann auch wieder im spiel ist).
    die subjektive note bringt allerdings gerade yvonne ins blog: sie kommt nicht aus unserer branche und entdeckt nach und nach das unternehmen, die menschen, die hier arbeiten und was wir tun. onliner schreiben meistens über online, aber nicht wirklich über sich selbst. yvonne schreibt über uns und soll das unternehmen transparenter machen. natürlich lesen das vielleicht nicht so viele blogger, und vielleicht wird daher auch nicht so wahnsinnig viel kommentiert. das ist manchmal schade, aber im besten fall bekommen wir eine mail, und ich kann dann persönlich darauf antworten. mit destruktiven kommentaren hatten wir bisher noch keine richtigen schwierigkeiten. ich denke also auf gar keinen fall, dass corporate blogs zwangsläufig scheitern, sehe aber auch, dass sich andere herausforderungen auftun, wenn man sich eben nicht rein an die blogosphäre richtet. dessen spielregeln sind dann auch nicht zu 100% übertragbar. man muss erst eigene mechanismen finden, und zugegeben – dieser weg ist auch für uns noch nicht abgeschlossen.

  15. @vanboy: auch die Leser müssen erst lernen, wie sie mit dem Dialog-Angebot der ‚Corporate Blogs‘ umgehen sollen. Wir sind alle zu sehr auf „konsumieren“ eingestellt. Das Blog ist auch nur ein möglicher Kommunikationskanal von vielen, und wenn sich aufgrund eines Blogartikels eine Diskussion per Mail ergibt, ist das doch schon ein toller Erfolg, oder?

  16. Pingback: KMU-Marketing-Blog

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